epv 2011

Helmut Exner – Sauschlägers Paradies

 

Harzer Merkwürdigkeiten und Verbrechensjäger

 

„Kommt her. Macht ein Lagerfeuer. Verbrennt diese alden Scheiß-Klamotten“.

 

In dieser Weise feuert Vater Hannes Sauschläger seine Kinder an, hier nur mit leichtem Harzer Dialekt (ansonsten spricht er eine durchaus intensive „Harzer Sprache), er hatte ja Gäste. Ungebetene. Jener Hannes Sauschläger, der von einem ihm völlig unbekannten Onkel nicht zur Geld (sofort unter die Leute gebracht), sondern auch 2 Restaurants geerbt hatte. Und damit auch die daran hängenden „beschützenden Russen“, die just auf Familie Sauschlägers neuem Grundstück (dem „Paradies) erscheinen, um die Schutzgeldfrage mal zu klären. Und nun nackend das Gelände fluchtartig verlassen.

 

Der hellste ist Hannes Sauschläger gewiss nicht, er und seine Familie leben ganz unten auf der sozialen Rangliste, aber durchaus gewieft, geradeheraus und, vor allem, nicht einsichtig, sein neu gewonnenes Erbe mit irgend jemand sonst zu teilen. Auch nicht mit den Finanzbehörden des Staates. Gut für ihn (und schlecht für so manchen Gegner der Russenmafia), dass sich der Boss der nackt geflohenen Abordnung selber in die Einöde bei Clausthal-Zellerfeld aufmacht, um mit Hannes Sauschläger ein Geschäft zu besprechen. Ein Geschäft, in dem ein Bagger, tiefe Löcher und keine Nachfragen gegen ausreichend Geld eine gewichtige Rolle spielen.

 

Das alles lässt sich mit Gewinn für alle Beteiligten an, wenn nicht zum einen Vater Sauschläger nicht alles verschwinden lässt, was verschwinden soll (vor allem einen Krankenwagen nicht), wenn nicht ein russischer Milliardär mitten in Goslar verschwunden wäre, wenn nicht Lilly Höschen, 81, ehemalige Lehrerin und packend interessiert an der Harzer Mundart bei den Sauschlägers auftauchen würde, um ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen und wenn nicht die Polizistin Gisela Weber hellhörig werden würde über Erzählungen von dieser urtümlichen Harzer Familie mit ihrem massiven Dialekt.

 

Und schon sind alle wieder mitten drin. Amadeus, der Tollpatsch, Anwalt und bald ein gemachter Mann in der ortsansässigen Beratungsfirma, seine nun Frau Marie, die im letzten Band der Reihe gerade noch gerettet wurde, Kommissar Schneider und seine Mitarbeiterin Gisela, die vernünftig vorzugehen gedenken und, mitten drin, Lilly Höschen, die die Bagage zusammenhält und (natürlich) jene Person sein wird, welche die entscheidenden Zusammenhänge (wieder einmal) bemerken wird.

 

Im Gegensatz zu manch andern Romanen der „Regionalreihen“, bei denen so  mancher kaum regionalen Esprit noch in sich trägt, legt Helmut Exner, wie bereits au dem ersten Teil der Krimireihe bekannt, großen Wert auf die Darstellung der regionalen Eigenheiten. Landschaft, Städte, Menschen, vor allem die Sprache des Harzes, all dies fließt in diesem Buch in bester Weise ein ohne zu überborden. Sorgfältig gezeichnete Figuren und ein durchaus logisch konstruierter Fall tun ihr Übriges hinzu, um aus „Sauschägers Paradies“ eine durchaus fundierte, vergnügliche und in sich geschlossene Lektüre zu gestalten. Natürlich in den Grenzen eines rein unterhaltenden regionalen Krimis.

 

Eigenständige (und eigensinnige) Charaktere, viel Lokalkolorit und einige handfeste Bedrohungen vereinigen sich hier zu einer gelungenen Unterhaltung (nicht nur für Harzer).

 

M.Lehmann-Pape 2011