C.Bertlesmann 2013
C.Bertlesmann 2013

Alexa Hennig von Lange – Je länger, je lieber

 

Jahrzehnte schicksalhaft unerfüllter Liebe

 

Zwei Liebesgeschichten sind es im eigentlichen, die Alexa von Lange in ihrer klaren Sprache erzählt. Wovon deren „ältere Liebe“ umgeben ist von so manchen, schicksalhaften Belastungen, Trennungen und unerfüllter Sehnsucht, demgegenüber die „jüngerer“ der beiden Lieben ganz und gar aus dem „modernen Leben“ gegriffen scheint (und hier im Übrigen doch sehr an die Romanzen der Fernsehlandschaft moderner Prägung erinnern).

 

Mimi erwischt ihren Mann. Auf offener Straße. Mit einer anderen.

 

„Die Hand ihres Mannes glitt über das T-Shirt der Frau, die offensichtlich keinen BH trug“.

Da nutzen auch alle lauten Ausreden Renes, des Mannes, nichts. Überhaupt scheint dieser eher noch ärgerlich zu sein, das Mimi im Gewühl der Gefühle glatt seinen Smoking nicht aus der Reinigung geholt hat.

 

Anders im Ton, in der Sensibilität  und auch im komplexen Aufbau zeigt sich die zweite Liebesgeschichte im Roman.

 

Mimi war, am Morgen dieses Tages, in Sorge um Ihre Großmutter Clara, auf ein Geheimnis dieser gestoßen. Ein kleiner Kompass, den die Großmutter in hohen Ehren hält, der ihr eine innere Verbindung zu der großen Liebe ihres Lebens zu geben scheint. Und mit dieser großen Liebe ist nicht ihr verstorbener Ehemann, der Großvater Mimis gemeint.

 

Wer aber ist dieser „Jaques“, der Großmutter Clara seit frühester Jugend an „in Kopf und Herz nicht loslässt“? Und warum sind Clara und Jaques nicht zusammengekommen?

 

Kurz entschlossen macht sich Mimi auf den Weg, das Geheimnis zu ergründen.

Ein Weg, der sie nach Spanien führen wird, wo Clara ich ihrer Jugend ihre Ausbildung als Malerin gemacht hat, wo diese das erste Mal auf Jaques traf, wo mit ihrer besten Freundin Daria Verwicklungen entstanden, Belastungen in den Raum traten. Zu einer Zeit, in der vieles anders und viel komplizierter war mit der Liebe und der Ehre. Ereignisse damals, die alles durcheinander brachten, die Clara von Jaques zunächst rein äußerlich, im Lauf der Zeit aber auch innerlich trennten.

 

Ereignisse auch, bei denen Clara sagen muss: Immer, wo sich die Wege mit Jaques zu sehr kreuzten (in der Ferne, wohlgemerkt), standen weitere Belastungen und weiteres Leid an.

 

Ein Weg der Nachforschung nach all dem, der Mimi weiter nach Kanada führt, der sie auch ein Stück sich selber näherbringen wird. Und, wie könnte es anders sein im Blick auf einen solchen Liebesroman, für Mimi (natürlich) auch eine Begegnung bereit halten wird (im Übrigen auch mit einem Mann, den sie schon lange „nur freundschaftlich“ kennt), die ihr vielleicht sogar eine Chance auf eine neue Liebe eröffnen wird.

 

Kommt da zusammen, was eigentlich zusammen gehört? Werden Verwicklungen gelöst? Kann altes Leid verheilen?

 

Flüssig erzählt die Autorin ihre Geschichte durchaus und vermag es, ihren Protagonisten (aber gerade in der modernen Version der Liebe im Buch sehr vorhersehbare) Kanten und Persönlichkeit zu geben.

 

So kann dieser Teil der Romans rein unterhaltsam genossen werden, während im Nachgehen der Jahrzehnte währenden inneren Bindung von Clara und Jaques doch überraschende, schicksalhafte Wendungen und immer wieder ein „nicht zueinander kommen“ durchaus den Leser mitnehmend von Hennig von Lange erzählt werden.

 

Im Blick vor allem auf diese Seite der beiden Liebesgeschichten ein lesenswertes Buch.

 

M.Lehmann-Pape 2013