Blessing 2016
Blessing 2016

Amitav Ghosh – Die Flut des Feuers

 

Farbenprächtiger Abschluss der Asien-Trilogie

 

Die Kolonialauseinandersetzungen zwischen England und China, gipfelnd im „Opium-Krieg“ ab 1839 stellt Ghosh in den Mittelpunkt des Abschlusses seiner Asien-Trilogie.

 

Und verknüpft und seinem geradlinigen, durchaus an entsprechenden Stellen aber auch bildgewaltigen Stil wie gewohnt das Ergehen konkreter Personen mit den Historischen Ereignissen.

 

Kesri Singh, einheimischer Offizier im britischen Indien Chors, später Kommandant der berühmten „Pachisi“ hat eine Familientradition zu wahren.

 

Zachary hat einen Prozess zu überstehen (gut gelungen ist hier das umgehende Eintauchen in Sprache und Atmosphäre jener Zeit durch „Zitate“ aus Zeitungsberichterstattungen über diesen Prozess) und findet sich, entlastet, in finanzieller Not wieder. Was ihn dazu bewegt, eine Schiffsrestauration in Angriff zu nehmen, was wiederum Ghosh beste Gelegenheit gibt, das alttägliche Leben in den Kolonien und jener Zeit unangestrengt zu schildern.

 

Shirin Moddie wurde von jetzt auf gleich in ihrem gewohnten, vertrauten Familienleben erschüttert. Ihr Mann verstorben an fremdem Ort. Was besondere Brisanz dadurch erhält, dass dieser sein Geld mit Opium Handel „verdiente“ und nun das Familieneinkommen in Gefahr steht. Wenn Shirin nicht selber handelt (was wiederum für Ghosh der nächste Ankerpunkt im Buch ist, um nun die näheren Umstände des Opium Handels jener Zeit und den Beginn der offenen Reibungen um diesen Handel erzählerisch zu verankern).

 

Und später stößt (bekannt aus den beiden Vorgängerromanen) noch Nil Rattan Halder zum Kreis der handelnden Figuren mit ihrem miteinander verwobenen Schicksalsmuster.

 

So steht jeder der auftretenden Hauptpersonen für einen zentralen Aspekt jener Zeit und im Gesamten ergibt sich ein vielfaches Puzzle aus Kolonialherrschaft, einheimischem Leben, dunklen Geschäften und offenem Krieg, dem all diese Personen ab einem gewissen Punkt im Buch entgegensegeln und die Schicksale sich verknüpfen und kulminieren.

 

Wie auch die immer stärkere Annektion und „Besiedlung“ Hongkongs durch die Briten in ihren Anfängen geschildert wird und die noch fast unberührte und spärlich bewohnte Halbinsel mit in den Blick rückt.

 

Vielfach entfalten sich Erzählfäden und ebenso vielfach tauchen, um die Hauptpersonen herum, andere Personen auf, manche kurz, manche länger, manche immer wieder. Was, trotz des klaren Stils und des Verzichts auf vielfache Ausschweifungen dem „roten Faden“ im Buch nicht immer gut zu Gesichte steht. Manches Mal verzettelt sich Ghosh einfach (und der Leser mit ihm) und verweilt zu lange an Orten und Ereignissen, die wenig für den Gesamtverlauf des Werkes austragen.

 

Konzentriert dann aber verbleibt Ghosh, „als es endlich losgeht“ bei den Schilderungen des Kriegsverlaufes selbst und bietet vielfache detaillierte und gut recherchierte Fakten auf, die den Leser mitten hinein nehmen in die vielfachen Strömungen und Wendungen der Kämpfe, das wechselhafte Ergehen der Personen und die Kämpfe und Schlachten selbst, an denen Ghosh eine wahre Freude offenbart. Was manchmal zu ausufernd im Raum dann steht.

 

 

Insgesamt ein farbenprächtiger, historischer Roman, der an manchen Stellen übererzählt wirkt und den Leser nicht immer vollständig packt.

 

M.Lehmann-Pape 2017