Krüger 2014
Krüger 2014

Anne Fortrier – Die geheimen Schwestern

 

Frauenkraft

 

Für dieses Buch lohnt es sich, zunächst den Artikel über die „Amazonen“ auf Wikipedia zu lesen.

 

 Sicherlich kennt jeder Leser jene Königin der Amazonen aus der Ilias, Penthesilea.

Doch das es noch weit mehr an Mythen gibt, dass Forscher durchaus Zeit darauf verwendet haben, diesem Volk “starker, autarker und männerunabhängiger“ Frauen irgendwo in Kleinasien auf die Spur zu kommen, das dürfte weniger bekannt sein.

 

Und Myrina, ebenfalls eine Figur aus einer kleineren Amazonenlegende dürfte ebenso eher wenig geläufig sein,

Diese Myrina setzt Anne Fortrier zur Hauptperson (in mehrfacher Hinsicht) ihrer doch sehr frei erzählten Geschichte, die zum einen in der Gegenwart archäologischer Ausgrabungen spielt und zum anderen weit in der Vergangenheit Myrina mit ihrer kleinen Schwester durch ödes Land und Wüste zunächst laufen lässt, verjagt aus ihrem Dorf.

 

Für die Sprachwissenschaftlerin Diana Morgan ergeben sich durch die Übernahme einer Dozentur in Cambridge verschiedene, verwirrende Umstände, derer sie versucht, „Frau“ zu werden.

 

Da ist die deutlich zu spürende Abwehr gegen ihr Lieblingsthema, die Amazonen. Da sind die vielen Vorlesungen, die ihr wenig Zeit für eigene Forschungen lassen und da ist James, Nachbar aus Kindertagen (wenn auch aus ganz anderen Verhältnissen), der charmante Hochgeborene, der Schwiegersohn-Traum ihrer Mutter.

Und da ist dieser merkwürdige Mann mit dem Foto einer Wand voller Inschriften, der Diana geheimnisvoll zunächst nach Amsterdam einlädt.

 

Schriftzeichen, die Diana nicht unbekannt vorkommen, auch wenn wie uralt sind.

So hatte ihre Großmutter geschrieben. In einem Tagebuch finden sich solche Zeichen und Diana hat sie gesehen. Wie überhaupt die Großmutter noch eine tragende Rolle für die Geschichte und das Leben Dianas spielen wird.

 

Während sich Myrina 3000 Jahre zuvor durch die Öde kämpft, vom Regen zunächst in die Traufe gerät, missliebigen Menschen gegenüber zu treten hat (und das nicht zum letzten Mal auf ihrem Weg) und irgendwann tatsächlich „Schwestern“ finden wird, mit denen allerdings  nicht unbedingt gut Kirschen essen sein wird.

 

All das geschieht,  bevor sie in Troja an der Seite des Priamos und des Paris gegen Agammemnon und Menelaos um Helena ringen wird. Und nicht mit leeren Händen dann Troja verlassen wird.

 

Währenddessen macht sich Diana von Neugier getrieben auf den Weg. Ein Weg, der auch sie in die Gegend Trojas führen wird und der auch sie mit den alten Ereignissen (die Fortrier im Übrigen sehr frei und anders als bei Homer erzählt) in enge Verbindung bringen wird. Und mit dem Geschehen des Falls Trojas und dem, was von der alten Pracht übrig geblieben sein könnte.

 

Es gibt Verbindungen.  Nicht nur sachlicher, archäologischer  Natur, sondern auch menschlicher und innerer Natur. Wenn nicht sogar noch klarere Verbindungen zum Vorschein kommen werden, je weiter Diana ihren Weg der Nachforschungen quer durch die Länder gehen wird.

 

Ebenfalls verbindet beide Erzählfäden ähnliche Erlebnisse mit der Liebe. Mit Verrat, mit dem Liebend es Falschen, mit dem vielleicht Finden des Richtigen und, zumindest in einer der beiden Erzähllinien mit einem schmerzhaften Verlust.

Erst in der Gegenwart wird es Zeit werden, mit manchen Sitten der Amazonen zu brechen und die alten Narben verheilen zu lassen.

 

All das erzählt Fortrier sehr munter und temporeich und bedient sich der alten Geschichten und Legenden mit großer Kreativität (und viel Fantasie), der trojanische Krieg ist so, wie er durch Homer bekannt wurde, im Buch z.B.  nicht unbedingt zu erkennen.

 

Was zumindest zu Beginn, den Lesefluss deutlich stört, ist die sprachliche Ähnlichkeit der Erzählung und der Sprachgewohnheiten der Protagonisten auf den beiden Ebenen des Buches. So wirken die beiden Mädchen aus dem Jahrtausend vor Christus in Teilen eher wie moderne Teenager in Sprache und Verhalten. Erst später gelingt es, den Leser ein stückweit in die besondere Atmosphäre und Lebensweise der Antike zumindest ein stückweit mit einzubeziehen.

 

Insgesamt dennoch ein unterhaltsamer Abenteuerroman auf zwei Zeitebenen, in dem die Liebe nicht zu kurz kommt, Gefahren drohen, Intrige stattfinden und dabei das (historisch nicht gesicherte) Volk der Amazonen in einer, wenn auch nicht sonderlich realistisch wirkende, spannenden Geschichte von ihren Ursprüngen an in den Raum des Buchlebens tritt.

 

 

Und laut Buch es gibt noch mehr von ihnen in der Gegenwart, als man denkt…….

 

M.Lehmann-Pape 2014