Knaus 2014
Knaus 2014

Anselm Neft – Helden in Schnabelschuhen

 

Der „drollige Wahnsinn“ der Verliebtheit

 

„Nun fanden wir uns als Liebespaar im Veteranenstatus wieder“.

 

Was wahrscheinlich nur wieder eine Erscheinungsform der Beziehung zwischen Max und Katja darstellt. Falls Max sich das nicht nur ein wenig „denkt“.

 

Philosophiestudenten eben. Alles ergründend, über Gott und die Welt am diskutieren, am sinnieren und dabei vor allem das einfach Naheliegende, praktische, das „reale Leben“ ausblenden. Was beide natürlich nicht wirklich merken.

 

Das Drängende abwehren, zerdenken, zerreden, immer unter der Gefahr, dass die wichtigen Dinge im Leben und untereinander einfach durch diese Haltung versiegen werden wie eine austrocknende Quelle.

 

Dennoch, auch für das Denken braucht es Geld und so schließen sich die beiden einer Band mittelalterlicher Musik an, „Kobold“ bietet „Rock´n Roll in Gewandung“ an. Daneben aber auch ein Ort echten Erlebens und klarer „Realität“, die langsam auch zu den beiden abgehobenen jungen Menschen durchdringen wird.

 

Vor allem Max gelingt es nicht mehr länger, seine Augen vor sich selbst verschlossen zu halten.

 

Durch Zerwürfnisse, Streit, Spaß, das „ganz normale Leben“ eben, rückt sein Übergesicht, seine pubertäre Unentschlossenheit, seine heimliche und daher auch leicht verlogene Schwärmerei für Katja sichtbar vor seine Augen.

 

Wir er dafür bereit sein, seine bequeme Distanz, sein „philosophieren“ auch als Schutz zu lockern?

 

„So mutiert die romantische Liebe zur Monsterqualle“, aber immerhin wird sie spürbar.

 

Eine Geschichte  über Freundschaft und Liebe, über die Entscheidung, erwachsen zu werden, über die Gefahr, alles nur zu bereden und zu zerreden, aber auch über die Wichtigkeit, sich selbst kennen zu lernen, die Gratwanderung zwischen Erfahrung und Reflexion, Leben und Theorie auszutarieren.

 

„Schließlich saß ich Samstagnachmittag wie ein dicker Hofnarr mit gebrochenen Gliedmaßen auf einer Wiese am Rande des Geschehens und fühlte mich scheiße“.

 

So liest sich diese „moderne Liebesgeschichte“ wie ein Abbild vieler „Verdrehungen der Liebe“, bietet aber, gerade durch die klugen Einwürfe Katjas im Buch, ebenso viel an Nachdenkenswertem für den Leser, gibt Anstöße, sich selbst ein stückweit in den Blick zu nehmen im Spiegel der Geschichte dieser beiden.

 

 

Trotz mancher Längen und auch unrealistisch anmutender „Verwicklungen“ (manchmal möchte man Max schon schütteln, jetzt aber einfach mal „praktisch“ zu werden), eine flüssig und unterhaltsam geschriebene, kluge Lektüre über die Liebe und das „wahre Leben“.

 

M.Lehmann-Pape 2014