Piper 2014
Piper 2014

Arne Dahl – der elfte Gast

 

Begegnung mit dem Schöpfer

 

Ob das nun wirklich das letze und endgültige Aufeinandertreffen der zehn Beteiligten an der „A-Gruppe“ sein wird, das mag dahingestellt bleiben, im  Buch zumindest finden sich auch noch andere Hinweise, die eine Fortsetzung der erfolgreichen Thriller-Reihe möglich erscheinen lassen.

 

Was im Übrigen auch schön wäre, denn (auch wenn dieser Band keinen wirklichen „Fall“ beinhaltet) das Wiedertreffen mit den Polizisten der Spezialeinheit, bei dem Dahl sehr viel Wert auf  ausführlichen Raum zur Entfaltung und Beschreibung jeder einzelnen Person legt, rührt Erinnerungen wach und bringt den Leser noch einmal nahe heran an diese ganz speziellen Charaktere, die nur im Zusammenspiel und in der Ergänzung ihrer Fähigkeiten (und Macken) so viele harte Fälle gelöst haben.

 

Eine Einladung zu einem Festmahl erreicht jeden der Beteiligten und, sei es aus Sehnsucht nacheinander, sei es aus reiner Neugier über diese Einladung, die Gruppe trifft sich  und fährt zu jenem alten, verlassenen Herrenhaus in Schweden mit seiner ganz eigenen Geschichte (die erst am Ende des Buches offen vor den Augen der Leser und der A-Gruppe liegt).

 

Ein Haus mit Geschichte, ein hinzukommender, elfter Gast mit ganz eigener Geschichte (der spät erst hinzutritt), einer, der „Macht“ über alle anderen am Tisch hat (eine ganz spezielle Macht). Zuvor allerdings bietet Dahl je ein Bild auf das aktuelle Leben seiner Protagonisten, führt diese dann zusammen an den „Tisch des Hauses“ und bietet, wie eine Art Kurzgeschichtensammlung im Roman, eine persönliche Erzählung durch jedes Mitglied der Gruppe.

 

Nicht unbedingt Kriminalfälle, nicht unbedingt so, dass der jeweilige Erzähler biographisch erzählt, wohl aber Geschichten, durch die je die Persönlichkeit,  das Besondere der einzelnen Figur emotional fassbar das „Licht der Welt“ erblickt.

 

Bis zur Seite 100 ein Blick auf das aktuelle Befinden, bis zur Seite 320 eine Sammlung von elf Geschichten, an deren Ende (der elften Geschichte) dem Leser unmissverständlich schwant, wer jener elfte Gast ist und wie Arne Dahl in diesem Buch sein eigenes Schaffen um die „A-Gruppe“ literarisch reflektiert und aufarbeitet.

 

Wer bis zu diesem Punkt als Leser und vielleicht Kenner der anderen Thriller über die A-Gruppe etwas irritiert gelesen hat und alles, was bis dato die Romane um diese Ermittler herum an Handlungen ausgemacht hat, vermisst hat (und sich nur in der intensiven Charakterisierung der Figuren ein wenig heimisch gefühlt haben mag), begreift daher erst sehr spät, das Dahl mit diesem Roman eben keine Forstsetzung oder krönenden Abschluss der Reihe geschrieben hat, sondern über das Wesen seines Schreibens selbst (in teils zu platten Bildern, allerdings) berichtet. Und hierfür seine bekanntesten Figuren „nur“ benutzt.

 

Anders also als vielleicht erwartet und gewohnt mit einigem an Irritation und einem Kern von Kurzgeschichten, die kaum einen echten Zusammenhang mit der A-Gruppe aufweisen, kann man dieses Buch lediglich als „Abschluss“ oder „Zwischenschritt“, als eine Zusammenfassung des literarischen Wirkens und/oder der Motive Dahls verstehen.

 

Was alleine schon am „Setting“ und er fast geisterhaften Atmosphäre im Haus abzulesen ist. Bis hin zu magischen „Lähmungen“, welche die Gruppe an einer Stelle erfasst.

 Dieses Buch ist „außerhalb der Welt“, könnte man sagen, auf jeden Fall der bisherigen Welt der A-Gruppe.

 

Das unterhält auf dieser Ebene durchaus in breiten Phasen des Buches, das bringt noch einmal die Fähigkeit Dahls, seinen Personen „auf den Grund zu gehen“ vor Augen, das zeigt die hohe literarische Qualität Dahls gerade in den kurzen Geschichten im Buch auf und das lässt am Ende offen, ob vielleicht doch noch ein „echter Fall“ der A-Gruppe zu erwarten sein könnte.

 

 

Mit dem Duktus und der Spannung der vorhergehenden Bücher hat dies allerdings nichts zu tun, das sollte man im Vorfeld wissen.

 

M.Lehmann-Pape 2014