Hoffmann und Campe 2017
Hoffmann und Campe 2017

Asta Scheib – Sturm in den Himmel

 

Ruhiger Entwicklungsroman

 

Es ist ein tatsächlicher „Sturm in den Himmel“, der diesen Roman allerdings erst ganz am Ende beschließen wird und dabei das berühmte „Gewitter“ als Motiv aufnimmt, dass Martin Luther „den letzten Anschub“ gegeben hat, seinen Weg als Mönch aufzunehmen.

 

Wie aber grundlegende Kernelemente seiner späteren Lehre, seines persönlichen Glaubens durch seine Kindheit und Jugend, durch die Einflüsse der Familie, des ersten Studiums und, nicht zuletzt, der ersten, längere Zeit ja durchaus „erfüllten“, sprich gegenseitigen Liebe geprägt wurden, das ist in diesem Roman interessant zu lesen.

 

Der strenge Vater, der doch auch eine liebende Seite zeigt, der in Martin große Hoffnungen auf den Aufstieg der gesamten Familie setzt, der im Latein „einbleut“, das erinnert durchaus an Luthers Ringen mit dem einerseits strengen, unbarmherzigen Gott der damaligen Theologie und der inneren Sehnsucht nach der liebenden Seite.

 

Die eine Szene, in der Madlen, die „zugelaufene“ Haushilfe zu Besuch ist und Luther sich nach ihr sehnt, einige Zimmer weiter und doch gilt: „er wusste, dass seine Mutter und möglicherweise auch der Vater Wache hielten. Der Weg zu ihr war versperrt“, wirkt wie ein Symbol für das spätere Ringen und Kämpfen mit der Institution Kirche, die ihm den Weg zur zum ersehnten inneren, liebenden Frieden mit seinem Gott versperrte.

 

Die Anflüge von Witz und Humor beim hart arbeitenden Vater, Erzschürfer in Mansfeld, das Urteil der Mitstudenten über Martin, „(wir sind) nicht so rasch in der Auffassung. Und auch nicht so zielstrebig…Eigentlich müsste ihm ständig der Kopf rauchen.“, die Beklemmung Luthers in den engen Stollen des Bergwerks, vielfach sind die Hinweise, Anspielungen, Prägungen, in denen Person und Lehre des späteren Reformators anklingen.

 

Und das gelingt Scheib ohne viel Psychologisieren. In ihrer ruhigen Form der Erzählung mit einem großen, differenzierten Sprachvermögen nimmt sie den Leser ganz unprätentiös mit auf den Weg in das Elternhaus Luthers, das Erwachen der eigenen Gedanken, den Zwiespalt zwischen dem „dem Vater gefallen wollen“ und doch ganz eigene Richtungen einnehmen. Sei es der Baum, mit dem er sich eng verbunden fühlt und der am Ende eine gewichtige Rolle für den weiteren Weg spielen wird, sei es ebenso die ohne großen Lärm sich einfach ausschleichende enge Bindung an Madlen („er spürte, das Madlen ihm nicht mehr gehörte“), sei es die Abneigung gegen die Inhalte des Religionsunterrichts seiner Ausbildung, alle Elemente greifen ineinander und bieten ein in sich geschlossenes, fast zwangsläufig dem Entscheidungspunkt zustrebendes Bild eines jungen, suchenden Lebens.

 

Wozu unbedingt (und auch das ist im Buch gut und wie nebenbei gesetzt“ die, vor allem durch die Mutter, aber auch durch die gesamte Zeit gesetzte, fast panische Angst vor dem Teufel, der für Luther Zeit seines Lebens als real existente Person bildhaft vor Augen stand. Die Stärke dieses Antriebs der „Angst vor der Hölle“ darf bei Luthers Werdegang und vielen seiner späteren unverrückbaren Lehraussagen nicht unterschätzt werden und so passt es gut, dass Scheib dieses Motiv von Beginn an im Roman durchgehend mitlaufen lässt.

 

„Neben schönen Träumen, die selten waren, suchten Martin häufig schreckliche Albträume heim“.

 

 

Zwar hat der Roman auch die ein oder andere Länge und liest sich nicht unbedingt aufregend, biete aber ein interessantes und geschlossenes Bild einer inneren Entwicklung und der äußeren Momente, die diese vorangetrieben haben.

 

M.Lehmann-Pape 2017