S.Fischer 2013
S.Fischer 2013

Barbara Wood – Im Auge der Sonne

 

Liebe unter Pyramiden

 

Es ist die Zeit, als das Alphabet sich entwickelte. Und  die Zeit, in welcher der Äskulapstab als Symbol der Heilung und der Heiler seine Bedeutung erhalten wird. Und es ist die Zeit des Pharao Thutmosis und seiner Tante Hatschepsut. Die sich ein Leben lang als „Ihre Majestät“ anreden ließ. Eine historisch interessante und bis heute ungewöhnliche Familienbeziehung.

 

Drei Elemente, die Barbara Wood zum Mittelpunkt ihres neuen historischen Romans aus antiker Zeit setzt und denen Sie mittels einer (wie sollte es anders sein) „romantischen Liebesgeschichte mit dramatischen Wendungen“ als roter Faden der äußeren Geschichte folgt.

 

Es ist die Zeit der Blüte der Pharaonen, der Kämpfe und Eroberungszüge, deren Auswirkungen auch Leah im ugaritischen Reich unter Gefahren für ihr Leben erleben wird.

 

Leah, (natürlich) keine „ganz normale“ junge Frau, sondern (wie in solchen Büchern fast schon üblich) mit hoher Neugier ausgestattet, dem „Heilen“ zugewandt und, vor allem, mit einem eigenen Kopf und Willen versehen. Sie wehrt sich gegen die verabredete Heirat. Ihr Herz gehört David (der in auf seine Weise ebenso „besonders“ ist, der für ein neues Alphabet eintritt und sich der „alten Strukturen“ und Intrigen erwehren muss).

 

Ein Setting, das dem Leser aus vielen anderen Romanen mit ähnlicher Anlage her bekannt ist.

Leah ist nicht die erste historische oder antike Frau, die ein eher modernes Frauenbild in der Zeit rückwärts transportiert.

 

Da aber bereits schon älteste Texte von „starken Frauen“ wie Ruth oder Esther oder Naomi künden und ebenso älteste Texte wie die Ilias oder die alte Geschichte von Samson und Delilah die Kraft der leidenschaftlichen Liebe in den Vordergrund des Geschehens mit rücken, bewegt sich Wood in einem nicht unrealistischem historischen Rahmen.

 

Im historischen Kontext geht die Handlung dieses neuen Romans von Barbara Wood atmosphärisch daher in Ordnung, auch wenn in der konkreten Darstellung eine solche „Leah“ in ihren Kreisen sicherlich nicht die Freiheit und Möglichkeit gehabt hätte, sich gegen eine Form der verabredeten Ehe zu wehren. Das „medizinische Problem“, das dabei in den Vordergrund rückt, gibt allerdings zumindest in der inneren Logik der Geschichte einen gut konstruiertem „Ausweg“.

 

Eine Liebesgeschichte in klassischer Form (umeinander kämpfen gegen die Normen und den Widersacher, verbunden in romantischer untrennbarer Liebe) bildet den Kern dieses historischen Romans. Im Rahmen einer sozial klar geordneten Welt, in der es schwer ist, neue Ideen oder andere Wege umzusetzen. Eine Welt, die allerdings an sich gefährdet ist und durcheinandergewirbelt werden wird. Einerseits durch Thutmosis, Pharao, absoluter Herrscher, „Der Napoleon Ägpytens“. Mit dem Leah und David in ganz besonderer, Bedrohlicher  Weise Umgang finden werden. Andererseits sorgen auch die „inneren Intrigen“ um die „kleine Macht“ im eigenen Volk für Unruhe, bevor der Pharao mit seiner „großen Macht“ in den Blickpunkt rückt.

 

Gut also, dass vor allem Leah des Öfteren Gelegenheit bekommen wird (und diese nutzt), durch ihre Heilkräfte auch wichtigen Männern zu helfen und vor allem ihrem König, Shalaam von Ugarit über manche körperliche Schwäche hinweg hilft.

 

 

Flüssig und souverän, dabei allerdings in doch einfache Sprache und mit einfachen Bildern erzählt Barabara Wood ihre Geschichte. Sie beschreibt dabei das Lokalkolorit treffend, lässt sich ein auf die Welt der Antike in Sprache und Umgangsformen, in Intrigen und Machtinteressen und schafft so ein durchaus unterhaltsames Werk.

In dem allerdings die handelnden Figuren durchweg zu stereotyp gezeichnet sind, als das hier große, innere Entwicklungen zu erwarten wären.  „Warm“ ist warm, „Gut“ ist gut“, Verschlagen“ ist verschlagen, „Weise“ ist weise.

 

Alles in allem ein klar erzählter historischer Liebesroman, der durchaus unterhält ohne unbedingt nachhaltig neue Impulse des Genres zu setzen.

 

M.Lehman-Pape 2013