Arche 2014
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Brian Conaghan – Jetzt spricht Dylan Mint und Mr. Dog hält die Klappe

 

Taumel der Pubertät unter erschwerten Bedingungen

 

Als ob es nicht schon hart genug wäre, 16 Jahre alt zu sein, im Hormonwirbel zu taumeln, an der Grenze zwischen Bemutterung zu Hause und Eroberung des Lebens („Wir spielen nicht mehr, wir chillen!!“), für Dylan Mint kommt es härter als hart.

 

Sein Vater von dannen, laut offizieller Version als Soldat in geheimer Mission unterwegs, nur Dylans Mutter kennt die Adresse.

 

Sein Tourette-Syndrom ist ebenfalls nicht gerade förderlich für einen stressfreien Umgang mit der Umwelt (Dylan nennt diese Ausrutscher „Mr. Dog“), vor allem nicht, wenn die Umwelt „Michelle“ heißt und trotz eines deformierten Fußes einfach das begehrenswerteste Mädchen des Universums ist.

 

„Schau mal Mint, das ist das  Problem mit Dir. Du kriegst es einfach nicht da raus, oder? Warum gehst Du nicht einfach zu deinem komischen Kumpel?“.

 

Nun, Amir, der „komische Kumpel“, nutzt Dylan in diesen Momenten auch nicht viel. Der hat sein eigenes Päckchen zu tragen (Asperger und Stottern) und selbst im Lauf der Zeit alle Hände voll zu tun, sich zusammen zu nehmen für ein nettes Mädchen

 

Und zu allem Übel steht da noch eine dunkle Wolke noch im Raum. Von Beginn an nimmt Dylan den Leser mit hinein in sein „Sterben müssen“. Paar Monate noch. Die Zeit aber will genutzt werden.

 

Den Vater kontaktieren, klar. Michelle verführen. Ebenso klar. Beides fast unmöglich, wenn einem ständig die Zunge verknotet und schlimme, schlimme Dinge aus dem Mund fallen, die einem sensibleren Mädchen als Michelle es wäre ziemlich rote Wangen verschaffen würde.

 

„Und jetzt mach´s wie Michael Jackson“!

„Was“?

„Mach Dich vom Acker“!

 

Und wieder ein Anlauf gescheitert. Auf eine solch trottelige, hektische, sympathische Tourette-Weise, dass der Leser kaum anders kann als mit diesem Dylan Mint seitenweise mit zu fiebern . In seiner Treue zu seinem merkwürdigen besten Freund, in seinen ständigen Versuchen, ein wenig cool herüber zu kommen und Michelle zu beeindrucken, was beständig misslingt.

 

Ebenso, wie Michelle und Amir in ihrer Art des Auftretens Universen für sich darstellen, die Conaghan hervorragend auf ihre je ganz eigene Art und Weise in Szene zu setzen versteht.

 

Aus der Sicht Dylans treibt Conaghan so diese Geschichte von der Suche nach sich selbst unter erschwerten Bedingungen, von der Frage nach den Dingen, die wirklich wichtig sind im Leben, von der Last und Lust, sein Leben auf die eigenen Füße zu stellen bis hin zu den wichtigen Liebesdingen des Lebens stetig voran.

 

In einer Sprache, die ganz eng an den Personen ist. Die flapsig, cool, hip, kindlich, bemüht, stotternd und immer wieder an den unpassendsten Momenten durch Flüche und ordinäre Sprüche „in Fahrt gebracht“ wird.

 

Wobei Conaghan in dieser ganz eigenen Sprache durchaus auch die Tiefen des Lebens mit ausleuchtet. Von Vaterfiguren angefangen bis zum Leben als Außenseiter trifft Conaghan Emotion und Ton präzise.

 

 

Eine sehr empfehlenswerte Lektüre einer „anderen Art“.

 

M.Lehmann-Pape 2014