Blanvalet 2014
Blanvalet 2014

Carla Montero – Das Mädchen mit den Smaragdaugen

 

Beutekunst und die Folgen

 

In der Gegenwart des Romans sucht die Kunsthistorikerin Ana Garcia Brest nach einem alten Bild.

Aus dem Besitz der jüdischen Familie Bauer. Wobei das Besondere an diesem Bild ist, dass es (wohl als einziges Bild) aus der Sammlung der Bauers nicht als „Beute“ in die Hände der Nazis fiel.

 

Ähnlich wie das Bild (auch wenn der Vergleich ein wenig despektierlich ist), wurde auch eine Tochter der Bauers, Sarah Bauer, nicht zur „Beute“.

Was vielleicht auch mit SS Obersturmannführer Georg von Bergheim zu tun gehabt haben könnte, eine der Schlüsselfiguren dieses Romans.

 

Einer, der umfassend patriotisch im  Paris des Jahres 1942 seinem Auftrag nachgeht. Und ein Teil seines Auftrages ist es, genau dieses Bild in den Besitz zu bekommen. Mit dem Sarah in den Wirren der Zeit auf der Flucht ist. Ein Mann, der Tag für Tag mehr Mühe damit hat, die Augen vor den Gräueln, dem Holocaust, dem Bruch aller Menschenrechte zu verschließen, die „sein Land“ der Welt brutal und grausam zumutet. Und der in Sarah als Mensch intensiv auf die Probe gestellt wird. Liebe zu einer Mitwirkenden der Resistance? Zu einer Jüdin? Kann das ein gutes Ende nehmen?

 

Ana Garcia beginnt ihre Suche in der Gegenwart und reist zunächst nach Paris (und viele weitere Orte werden folgen), während der zweite Erzählstrang des Buches aus dem Jahre 1942 an die Ereignisse schildert.

 

So führt Montero in beidem Fäden des Romans die Puzzleteile Schritt für Schritt zusammen, berichtet vom Mut auch auf der „falschen Seite“ und wie am Ende die Integrität gewinnt, erzählt eine klare und gut zu lesende Liebesgeschichte unter erschwerten Bedingungen und lässt vor den Augen des Lesers nicht nur das Zeitgeschehen damals, sondern das ganze Thema der „Beutekunst“ erstehen.

 

Damals wie heute entstehen Widerstände gegen ein Aufdecken dessen, wie der Umgang mit diesen vielen geraubten Kunstschätzen sich darstellt und breite Versuche, Ana Garcia daran zu hindern, ihre Suche erfolgreich zu gestalten. Wobei nicht nur der „alte Geist“ sich noch als in der Gegenwart höchst lebendig erweisen wird.

 

„Komm zu mir nach Paris. Hilf mir. Alleine schaffe ich das nicht“, fleht sie im Buch fast.

 

„Ich war es leid, E-Mails zu verschicken und bei sämtlichen Archiven in halb Europa und in den USA anzurufen, ohne jemals auf das Dossier zu stoßen“.

 

All das erzählt Montero mit hohem Tempo, flüssig und mitreißend, zieht den Leser durch ihre plastische Sprache und Bildkraft immer wieder mitten hinein in das Geschehen zu beiden Zeiten im Buch.

 

Zwei Suchen, die unterschiedlicher nicht sein können, die beide an Widerständen drohen, zu scheitern, die beide wirken, wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

 

Suchen, welche die beteiligten, sehr nah und lebendig geschilderten,  Personen nicht unverändert zurücklassen werden.

 

So durchmischen sich Roman, Thriller, Liebesroman und Kunstgeschichte im Buch in bester und zudem noch äußerst unterhaltsamer Weise zu einer sehr empfehlenswerten Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2014