dtv 2012
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Catherine Tarley – Die Plantage

 

Südstaatenepos

 

In epischer Breite von knapp 860 Seiten wendet sich Catherine Tarley in ihrem Roman der amerikanischen Geschichte kurz vor der Unabhängigkeit Amerikas.

Der Krieg gegen die Briten ist in noch vollem Gang, Land und Menschen bereits schwer gezeichnet. Inmitten dieser Zeit siedelt Tarley ihre Geschichte in South Carolina an und wendet sich intensiv in den einzelnen Kapiteln des Buches verschiedenen, die Geschichte tragende,  Personen zu. Anhand deren Verbindungen, Emotionen, Gegnerschaften, Liebe, Freundschaft, Intrigen und vielem mehr erstellt Tarley ein durchaus treffendes Bild der Atmosphäre jener Zeit. Von Freidenkern, die schon 1781 gegen die Sklaverei zumidnest „andenken“, von harten Menschen, das das ihre und den Status quo um jeden Preis bewahren wollen, von einer Frau, Antonia, die als Witwe konsequent zunächst auf eigenen Beinen stehen will und ihre heruntergekommene, zerstörte Plantage mit eigenen Händen wieder aufbaut. Als alleinstehende Frau an sich schon mancherseits nicht gerne gesehen, als wirtschaftliche Konkurrentin hier und da noch mehr ein Dorn im Auge.

 

Und angreifbar wird sich Antonia durch die Lieb machen. Mitten hinein in die teils bereits angespannte Situation hinein findet sie einen jungen, verletzten, britischen Soldaten. Den Feind. Zu dem sie nach kurzer Zeit bereits eine enge Beziehung aufbaut, nicht nur, weil sie seine Wunden versorgt. Und dies natürlich in großer Heimlichkeit, denn nicht nur für den Briten hätte es wohl tödlich Folgen, falls er gefunden wird. Zudem hütet der Verletzte noch ein sehr dunkles Geheimnis.

 

Und bald ergibt sich ein Reigen aus Liebe und Verlassens ein, aus Vorsicht und Verfolgung, Misstrauen, Intrige, gar Mord, verbunden, das muss man der Autorin lassen, mit einer bildkräftigen und überzeugenden Schilderung der Atmosphäre jener Zeit, mit Schilderungen von Orten und Landschaften, Menschen und Umständen, die sehr lebendig in de Fantasie des Lesers treten. Dass doch letztlich eine eher „klassische“ Liebesgeschichte zu Grunde elgt,die nicht immer überzeugt und so manche Stereotype in sich trägt, gerät dabei durchaus wohltuend in den Hintergrund. Eher nutzt Tarley die Verbindung der beiden Hauptfiguren, um Denkweisen der Zeit an sich, alte indianische Traditionen und Überlieferungen und die Reibung unter den Bewohnern South Carolinas zu jener Zeit darzustellen.

 

All die ergibt überwiegend eine der Zeit entsprechende sorgfältig recherchierte Geschichte, die dennoch Längen aufweist und nicht in allem Geschehen um William und Antonia herum vollends überzeugt. Ein flüssiger und griffiger, realistisch anmutender historischer Roman der Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges aber bildet das Buch allemal und lohnt, mit erwähnten Abstrichen, das Lesen durchaus.

 

M. Lehmann-Pape 2012