Bloomsbury 2011
Bloomsbury 2011

Celia Rees – Der Narr und das Mädchen

 

Shakespeare und Gefahr

 

Von Beginn an setzt Celia Reese den Leser mitten hinein in ihre Geschichte, die zwar in erster Linie auf jugendliche Leser hin zielt, durchaus aber den Vergleich mit „erwachsenen“ Historienromanen nicht unbedingt scheuen muss.

 

Drei Hauptpersonen tragen die Geschichte.

 

Violetta, die junge Fürstin aus dem fernen Illyrien, die miterlebt, wie ihre Stadt überfallen und geplündert wird, die flieht, die in London anlangt, die aber nicht aufhören wird, zum einen den geraubten, wertvollsten Besitz ihres Volkes zu suchen und zum anderen ihren Anspruch auf die Herrschaft im Lande Illyrien als Herzogin nicht aufgeben wird.

 

Feste ist ein Narr, doch nicht närrisch. Auf Geheiß des Herzogs rettet er Violletta aus dem Getümmel des Überfalls durch Venezier und Piraten. Mit knapper Not entkommt er mit der Herzogstochter. Gemeinsam nun sucht er mit Violetta Wege zur Rückkehr. Vor allem aber versucht er, Schaden von der jungen Fürstin fernzuhalten.

 

Der junge William Shakespeare. „Dichter, Schauspieler und manchmal auch Magier“ ist zunächst schlechter Laune ob einer missglückten Aufführung, trifft aber dann auf Londons Straßen auf Feste, der auf offener Straße auftritt, um Geld zu verdienen. Shakespeare erkennt einen Meister der Schauspielkunst in Feste, man kommt ins Gespräch, Violetta tritt hinzu und erzählt ihre Geschichte.

 

„Wie, Freunde, heißt dies Land?“

„Das ist Illyrien, mein Fräulein“.

 

Aus dieser Geschichte der Vorgänge in Illyrien und ihrem weiteren Verlauf, an dem Shakespeare aktiv beteiligt sein wird, kreiert der Meister des Theaters der elisabethanischen Zeit sein bis heute bekanntes Stück „Was ihr wollt“. Mithin also bildet der Roman die (fiktive) Entstehungsgeschichte des Shakespeare Stückes ab und verlegt die Entstehung des Stückes in die Realität der Geschichte Violettas, die auszieht, das Heiligtum ihres Volkes dem Dieb wieder zu entreißen und ihren Thron ebenso wieder zu besteigen.

 

Ein buntes Bild entwirft Celia Reese mit Stärken, vor allem in der Gestaltung der Personen, besonders Shakespeare erhält Fleisch und Blut im Buch und tritt so durchaus nahe, Stärken  auch in der durchaus trefflich eingefangenen Atmosphäre Londons jener Zeit, aber auch mit Schwächen. Zu realitätsfern wirkt die Geschichte, zu sehr konstruiert und damit beständig vorhersehbar. Überraschungen finden sich kaum auf dem Weg des Lesens, letztlich ist jeder das, als was er scheint und sowohl das Finden der Liebe als auch der Weg zurück nach Illyrien liegen im Buch ohne große Spannungsmomente vor.

 

So bleibt vor allem das Vergnügen, einer Ausgestaltung Shakespears zu begegnen, die dem realen Abenteuer nicht abgeneigt ist und einige ebenso anregend gestaltete Einblicke in die Leidenschaft des Theaters aus einer Zeit, als das Theater moderner Art erfunden wurde. Eingebunden in eine nicht sonderlich aufregende, aber immerhin in sich schlüssige Abenteuergeschichte. Für die gedachte Zielgruppe von Jugendlichen und Heranwachsenden sicher kein schlechtes Buch. Ein wenig Shakespeare hat noch nie geschadet und ist hier mit Hintergrund durchaus versehen.

 

M.Lehmann-Pape 2011