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Christa Matys - Liebe und Leid von Gestern

 

Gedanken zu Christa Matys Roman "Liebe und Leid von Gestern"

Der Text zieht den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann. Dabei entwickelt die Autorin eine ansprechende Erzählweise. Sie schreibt einen lebendigen, flüssigenStil, pflegt eine schöne, ungekünstelte Sprache, spart auch nicht mit unverhüllten, sinnlichen, gleichsam die Phantasie anregenden Darstellungen, während die Spannung ihres schreibenden Erzählens sich systematisch steigert. Dieses Buch bereitet Lesevergnügen. Ohne Zweifel wird es beim lesenden Publikum viel Zuspruch finden. Neben dem geschilderten Handlungsverlauf zwischen Liebe und Leid im Detail zeichnet die Autorin ein historisch.realistisches Bild der in den zwanziger/dreissiger Jahren herrschenden bevölkerungspolitischen Verhältnisse, das ausserdem von der Weltwirtschaftskrise, Hitlers Machtergreifung, der Judenverfolgung, dem Zweiten Weltkrieg, seinem verheerenden Ende, dem Mauerbau und darüber hinaus bis in die siebziger Jahre reicht.
Im Mittelpunkt des Romans steht die Heldin der Fabel"Agnes", eine begnadete Floristin, deren Traum nach selbständiger Existenz sich in einem Blumengeschäft im geschäftigen Berlin erfüllt.Ihr Können, die Auswahl der zum Verkauf dargebotenen Blumenpracht, sowie ihre Kunst des Blumenbindens bescheren ihr einen florierenden Umsatz - nicht zuletzt wegen ihrer anziehenden Schönheit.

Ihre erste überwältigende Liebe erlebt sie mit einem gut aussehenden, jungen Grafiker, dessen Heiratsabsichten mit seinem Tödlichen Autounfall jäh enden.

Zwei Jahre später öffnet sie sich einer neuen Liebe zu einem jüdischen Juwelier. Über diese Liebe schwebt bereits das Damoklesschwert der wachsenden Judenfeindlichkeit. Einziger Ausweg: die Emigration. Sein Versprechen Agnes nach einigen Monaten nachzuholen, zerbricht an seinem plötzlichen Krebstod. Für Agnes stürzt eine Welt ein. Zu dieser Zeit weiß sie, dass sie ein Kind von ihm erwartet.
Die Größe menschlichen Gefühls beider Liebesverbindungen sprechen zu Herzen, hätten in Schönheit und Faszination wohl kaum bewegender erzählt werden können.
Was geschieht danach? Agnes erlebt ein kurzes Ehedesaster mit einem Lehrer , der sie schlägt und vergewaltigt.

1933 ergreift Hitler die Macht. Der einsetzende wirtschaftliche Aufschwung geht ein her mit Aufrüstung und Kriegsvorbereitung. Gleichzeitig verschärft sich die Judenverfolgung, die auch vor Kindern keine Gnade kennt. Noch einmal gibt Agnes - auf Anraten ihrer Eltern- dem Werben eines Buchdruckers nach, um durch Heirat ihren nichtarischen Sohn besser schützen zu können. Der Versuch, ein intaktes Familienleben trotz Geburt einer Tochter aufzubauen, gelingt nur mühsam. Einerseits kommt Agnes die Einberufung ihres Mannes zu Hilfe, andererseits geben sie sich die Hoffnung, dass es nach Kriegsende besser werden soll. Die Hoffnung braucht kein Erproben. Er lässt sein Leben für "Volk und Vaterland:"

Inzwischen sind die Auswirkungen des Krieges überall in Deutschland überall in Deutschland zu spüren. Der Kriegsalltag wird immer bedrückender.
Agnes ganze Sorge gilt, das Überleben ihres halbjüdischen Sohnes zu sichern. Dabei stehen ihr die Eltern mit Rat und Tat zur Seite. Als die Situation immer gefährlicher wird, baut ihm der Vater ein Versteck auf dem Gelände seiner Gärtnerei. Der Junge durchsteht die schreckliche Zeit bis zum Kriegsende und überlebt.
In dem Bewusstsein, dass die Eltern für die Rettung ihres Kindes selbst ihr Leben aufs Spiel gesetzt zu haben, geht ihr Mut literarisch in die Handlung ein.

Die darauf folgenden Jahre gleiten dem Leser schnell, zu schnell dahin. Er kann das Buch, der durchgehenden Spannung wegen, nur schwer aus der Hand legen. Er liest und liest, will stets noch mehr, noch ausführlicher über die Heldin wissen.

Ein letzter Gedanke als Gesamteindruck. Hier liegt ein Roman vor, der durch einen biographisch stark geprägten Hintergrund entstanden ist. Die Autorin nutzt die Lebensläufe der ihr vertrauten Personen, schöpft aus eigenem Erleben, und schuf so ein lebensnahes, literarisches Werk.
"Liebe und Leid Von Gestern", ein Werk der Belletristik im besten Sinn des Wortes

Irmgard Weinhofen Germanistin 2010