Piper 2013
Piper 2013

Clara Salaman – Die Stille über dem Wasser

 

Psychologische Destruktion

 

Ähnlichkeiten mit anderen, ähnlich gelagerten, Grundideen sind bei diesem Roman durchaus zu erkennen. Zwei Paare auf einem Boot, vorher einander als Paare unbekannt und eine sich dann stetig steigernde Bedrohung. Weil jenes der beiden Paare, dem das Boot gehört, Frank und Annie, ein Paar, das mit der neunjährigen Tochter Smudge seit geraumer Weile schon „frei“ auf dem Boot lebt,  sich im lauf des engen Miteinanders als mehr und mehr merkwürdig, anders herausstellen werden. Ein Paar, das ein dunkles Geheimnis mit sich trägt.

 

Clemency und Johnny, jung, frisch verheiratet, sich die Welt ansehend und gerade mit ihrem Zelt in der Türkei, bekommen Ärger und werden von Frank und Annie aufgenommen und geschützt. Je mehr aber beide die Aussteiger näher kennenlernen, desto unterschiedlicher reagieren sie auf jene.

 

Ist es zunächst Johnnys Eifersucht ob der erotischen Freiheit an Bord, die gerade Clemency stark interessiert, ist es dann späterhin die drängende und belastende Frage, wie weit diese Freiheit gerade bei Frank eigentlich geht und warum Annie so dermaßen „unten“ ist in ihrer mentalen Kraft.

 

Wer nun allerdings eine Form von Thriller mit gegenseitigem Belauern und klirrender „Serienmördergefahr“  von diesem Buch erwartet, der läge falsch.

 

Das Hauptaugenmerk liegt in diesem Roman auf der inneren Entwicklung des jungen Paares Johnny und Clem, der Entwicklung dieser zunächst unverbrüchlich und fast suchtartig wirkenden Liebe und Anziehungskraft, die durch Frank und Annies Haltung und reine Anwesenheit stark belastet, einer Zerreißprobe unterzogen werden wird.

 

So intensiv wird sich gerade Clem der Situation und ihren inneren Gefühlen hingeben, dass selbst schockierende Erkenntnisse sie zunächst nicht von diesem Weg abbringen werden.

 

Ein stückweit im Übrigen wirkt diese Intensität in dieser Geschwindigkeit nicht gerade real. Die erotischen Spannungen, das „Erproben zu Viert“, mag durchaus noch angehen und wird von Salaman durchaus nachvollziehbar und emotional dicht beschrieben (wie überhaupt die flüssige und bildreiche Sprache eine Stärke des Buches darstellt). Die allerdings dann zunehmende „Blindheit“ mancher Beteiligter, die rasche Entfaltung von Gefühlen, die auch „voneinander weg“ bringen, das Ausschalten jeglichen Verstandes und die allzu dramatischen und ebenfalls nicht unbedingt nachvollziehbaren Ereignisse zum Ende des Romanes hin aber wirken nicht wirklich folgerichtig und nachvollziehbar. Da muss Salaman an entsprechenden Stellen schon ziemlich die Stellschrauben drehen, um in solche Situationen dann überhaupt hineinzuführen.

 

Dennoch, durchaus spannend erzählt, durchaus eine andere Richtung als man vorher beim Überfliegen des Klappentextes gedacht hätte, das bietet Salaman über weite Strecke interessant und unterhaltsam an.

 

Alles in allem somit, trotz mancher Entwicklungen, die mit einem Fragezeichen sich versehen,  eine  durchaus anregende Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2013