Droemer-Knaur 2017
Droemer-Knaur 2017

Claudia Beinert, Nadja Beinert – Die Mutter des Satans

 

Biographischer Roman um Luthers Mutter

 

„Da streckte er sie (seine Hand) noch ein Stück weiter entgegen, wie damals, als er mir die Rute hingehalten hatte, um Martin zu züchtigen“.

 

Ja, das stimmt, nicht einfach war das Verhältnis des Kindes und Jugendlichen Martin Luther zu seinem Vater. Streng und kühl die Atmosphäre zwischen Vater und Sohn, mit Respekt, aber auch Angst vor Rute und Werturteil durch den Vater von Seiten Martin Luthers.

 

Claudia und Nadja Beinert haben sich auf Spurensuche gemacht. Getreu der Erkenntnis, dass nichts den Menschen so sehr prägt wie seine Kindheit, sein Aufwachsen, spezieller noch die Liebe, die er erhält oder die auf anderer Seite oder gar gänzlich entzogen wird, gehen die Autorinnen in diesem biographischen Roman der Mutter Martin Luthers, Margarethe nach.

 

Und entwerfen in diesem Nachzeichnen des Lebens der Frau und des Familienlebens der Luthers zum einen ein detailliertes und griffiges Bild der Zeit selbst und ihrer Einflüsse und Strömungen, wie sie auch die Prägung des jungen Martin in den Blick rücken und nicht immer nur von der Enttäuschung des Vaters bei der „Veränderung“ des Studienfaches seines Sohnes später stehen geblieben wird.

 

Und auch interessant zu lesen ist in diesem „geprägt werden“, wie sehr Martin Luther seinem Vater Hans doch ähnelte. Nicht im Objekt der Beschäftigung, wohl aber in der Art und Weise, den eigenen Weg zu gehen.

 

„Der Mut und die Entschiedenheit, aber auch die nie versiegende Energie – genau all das war Hans“.

 

Und mehr noch.

 

„Martin war mit all seinen Sinnen in die Wahrheit der heiligen Schrift eingetaucht, genauso wie Hans einst in den Kupferrausch im Mansfelder Land“.

 

Ruhig, fast zart erzählen die Autorinnen von den Sorgend er Mutter, die bereits drei Kinder verloren hat und nun miterleben muss, wie ihr Martin von der Obrigkeit gejagt wird, sich verstecken muss, die Todesstrafe droht. Und wie diese Mutter Schritt für Schritt sich „dem neuen Glauben“ öffnet. Nicht nur, weil es ihr Sohn ist, der diese gewagten neuen Thesen aufstellt, sondern weil es sie im Innersten berührt und trifft. Und sie darin ein Symbol für die vielen Menschen ihrer Zeit im Buch darstellt, die sich vom Feuer der Reformation hatten und haben anstecken lassen.

 

So ergibt sich, dass einerseits zwar die Fürsorge und Liebem die ein Kind von den Eltern erfährt, elementar ist, wie die Autorinnen im Nachwort ausführen, aber eben auch Vorbilder den Menschen prägen, Haltungen dem Leben gegenüber, durch die Eltern vorgelebt, in Fleisch und But übergehen, ohne dass dies ein bewusster Vorgang wäre und ohne dass man selbst dagegen wirklich etwas tun kann. Manches Mal für den Rest des eigenen Lebens nicht.

 

Das selbst die Musikalität Luthers, der viele Kirchenlieder später dichtete, im Elternhaus vorgeprägt war, Singen ihm selbstverständlich wurde, bis dahin, das sein Vater strikt und klar auf das Lernen achtete und erst zufrieden war, wenn der Stoff vollständig im Kopf des Sohnes angelangt war, all dies zeigt die Wurzeln des Mannes Martin Luther auf und ist im Buch auch sprachlich anregend und fundiert erzählt.

 

 

Eine interessante und empfehlenswerte Lektüre zum näheren Verständnis des Menschen Martin Luther und seiner Familie.

 

M.Lehmann-Pape 2017