Langenscheidt 2011
Langenscheidt 2011

David Leukert – Eltern Deutsch. Deutsch-Eltern

 

Ein humorvoller und dennoch ernstzunehmender Blick auf die Erziehung

 

David Leukert, Multitalent, unterwegs als Kabarettist, Autor und Erzieher, wirft in diesem kleinen, aber feinen Buch einen unnachahmlichen, humorvollen, teils ironisch überspitzten Blick auf die Eltern-Seite des Lebens, bei dem allerdings immer wieder durchblitzt und mitschwingt, dass Leukert „vom Fach ist“ und durchaus das ein oder andere Gewichtige zu Fragen der Erziehung und des Eltern-Seins zu sagen hat.

 

Wie er so unter anderem, teils hoch ironisch, Elterntypen betrachtet, dem „konservativen Typus“ gerne das „Tracht tragen“ unterstellt und hier vor allem die „Tracht Prügel“ in den Raum setzt, das ganze in eine höchst vergnüglich Verbindung zu urwüchsigen Formen längst vergangener „Pädagogik“ nach Daniel Gottlob Moritz Schreber zu bringen vermag und umgehend die Entwicklungslinie zu Bestrebungen der Gegenwart aufzeigt, wieder „Härte“ in die Erziehung zu bringen (das ein oder andere Elite Internat schreitet hier ja munter voran), das ist humorvoll zu lesen, bringt dabei unbequeme Wahrheiten mit auf den Tisch und enthält durchaus auch einen Erkenntnisgewinn für Eltern.

 

Übrigens nicht nur für „fertige“ Eltern, sondern auch solche, die es gerade am werden sind. Das erste Kapitel des kleinen Büchleins beschäftigt sich munter mit der Schwangerschaft und der „Mutation der Frau zur Mutti“ inklusive der dabei entstehenden „hormonischen Beziehung“.

 

Über alle Stadien des Heranwachsens bis hin zu den pubertäts-leidgeplagten Eltern („Unser Kind ist allein erziehend“!  begleitet David Leukert (selbst überwiegend begeisterter Vater, zur Zeit der Entstehung des Buches gerade aber in festgefahrenen „Taschengeldtarifverhandlungen“ steckend) mit einem großen Augenzwinkern alle, die den harten Weg des Lebens auf sich genommen haben, ein oder mehrere Kinder zu erziehen. Und macht viel Mut.

Nicht jeder Schnuller, der in den Dreck gefallen ist, muss gleich als „Nuckel des Todes“ angefeindet werden, auch Schutzkleidung ist nicht notwendig, das gute Stück aus der Pfütze wieder aufzuheben.

 

Für Eltern jeden Alters haben die einzelnen Beschreibungen, Einlassungen, Anekdoten und Hinweise einen hohen Wiedererkennungswert, der erhobene Zeigefinger Leukerts ist durchaus hintergründig zu spüren, aber in eine immer warme Sprache gut verpackt. Und wer weiß, vielleicht geben es einem die Kinder gerne und mit Gewinn zurück, wenn man sich an zumindest einige der Hinweise des Buches hält. Kann doch sein, das die größte aller Beruhigungspillen durch den Nachwuchs irgendwann in den Raum gestellt wird: Ausbildung mit Abschluss. Beruf. Und als Krone dann das eigene Heiraten und Kinder bekommen. Dann (vielleicht) gelingt es gar, das eigene Kind mal für 10 Minuten am Tag wirklich los zu lassen.

 

Mit Freude zu lesen und auch für Nicht-Eltern ein humorvoller Gewinn.

 

M.Lehmann-Pape 2011