Heyne 2013
Heyne 2013

David Pfeiffer – Schlag weiter, Herz

 

Das Herz eines Boxers

 

David Pfeiffer ist, unter anderem, auch Box-Trainer. Und wie im Boxen findet sich Sprache und Stil im Buch wieder. Geradaus zugehend, klare Konturen, Durchhaltevermögen, so erzählt Pfeiffer seine Geschichte von Mert, dem Boxer und Nadja, der Schwester seines Teamkollegen (und durchaus auch Konkurrenten) Felix.

 

Was Technik angeht, da ist Mert hinterher, keine Frage. Aber was Mut und Offensive angeht, was sein Stehvermögen und seine Schlagkraft angeht, da steht er seinen Mann. Nicht nur im Ring. Pfeiffer führt den Leser im Lauf der Geschichte auch in die Lebensgeschichte Merts hinein. Und nur aus dieser heraus ist zu verstehen, was Boxen für ihn bedeutet, warum er sich so hineinwirft in sein Training, in den Schmerz, in das Adrenalin. Momente, die wichtig sind im Buch, um seine Haltung Nadja gegenüber zu verstehen, zu sehen, dass Mert nicht einer ist, gar nichts ein kann, der auf Distanz und Sicherheit geht, der mit dem „Kopf“ boxt und lebt. Der aber auch lebt, wie er boxt und boxt, wie er lebt und ist.

 

Mert ist einer, der vorangeht, der einsteckt bis es nicht mehr geht und darauf wartet, einmal, zweimal wirklich austeilen zu können. Er hat Mut. Seine einzige Siegchance. Im Ring wie im Leben.

 

Als Gegenentwurf setzt Pfeiffer diesem intuitiven Boxer und Mann jenen Felix gegenüber. Techniker, klug, einer, der gewinnt, solange er nicht die Beherrschung verliert.

 

Diese Pole bilden die Blaupause, auf der Pfeiffer diese ungewöhnliche, von Nähe und Distanz, von zueinander finden und sich verlieren, von Angezogensein und abgestoßen werden erzählt. Der schweigsame Mert und die beredte und kluge Nadja, ein ungleiches Paar mit tiefer Verbindung. Ob diese halten wird? Ob am Ende doch etwas wie eine „echte“ Beziehung dabei herauskommt? Ein Spannungsmoment, von dem der Roman durchaus lebt auf seinen verschiedenen Zeitebenen.

 

In der Gegenwart scheint alles bereits vergangen und gelaufen. Mert ist in Thailand und lebt sich durch den Tag in der kleinen, eher schäbigen Bar mit den mehr oder minder attraktiven Mädchen, die dort arbeiten. In der jüngeren Vergangenheit erzählt Pfeiffer die Geschichte von Nadja und Mert und gibt durchaus fundierte und plakative Einblicke in das Leben eines Amateurboxers und seines Vereins. Und im Rückgriff auf die Entwicklungsgeschichte der Protagonisten vollzieht Pfeiffer deren prägende Jahre in der Jugend nach.

 

All das ist klar und direkt im Stil, durchaus mit Tempo versehen, leidet aber sicherlich ein stückweit mit daran, dass man schon ein Grundinteresse für den Boxsport einerseits braucht, ums eine Freude an der Lektüre zu finden (und es auf Dauer ein wenig zuviel Boxen auch ist im Buch), und andererseits die Wege der hin- und herwogenden Liebesgeschichte zwischen Nadja und Mert auch nicht unbedingt ganz Neues vor Augen führen. In der ein oder anderen Form hat man solche „nicht mit dir und nicht ohne dich“ Geschichten in ähnlicher Form bereits gelesen und sich zu Gemüte geführt.

 

Insgesamt aber dennoch ein gut zu lesendes Buch, dass kein Blatt vor den Mund nimmt und seine Protagonisten mit knappen, aber präzisen Beschreibungen lebendig werden lässt.

 

M.Lehmann-Pape 2013