Droemer 2011
Droemer 2011

Di Morrissey – Im Licht der roten Erde

 

Das Herz Australiens

 

Eine der am frühesten besiedelten Regionen Australiens und eine Region, in der etwa die Hälfte der dort lebenden Menschen Ureinwohner, Aborigines, sind, ist einer, wenn nicht der zentrale Schauplatz dieses umfangreichen Unterhaltungsromans von Di Morrissey. Ein Schauplatz, um den herum die  Autorin die Geschichten ihrer Protagonisten gruppiert, ein Ort der Mystik und der uralten Überlieferungen der Aborigines, an dem die Ureinwohner Australiens den Kontakt mit der „Geisterwelt“ pflegen und aufrecht erhalten.

 

Im Buch ist dort, im Kimberley,  auch der Ort, an dem zumindest zwei der Hauptfiguren ihre Bestimmung finden. Anders, als vorher gedacht, aber mit weitreichenden Folgen.

 

Die eigentliche Hauptfigur aber ist das Volk der Aborigines. Vieles erfährt der Leser aus den Zeilen des Buches von der Geschichte, den mythischen Traditionen, die auch in der Gegenwart noch ihre Rolle spielen, von den Hoffnungen der Aborigines auf „das eine Kind“ (das im Buch ebenso vorkommen wird), vom Kampf um Gleichberechtigung, aber auch den vielfältigen Problemen innerhalb dieses Volksstammes.

 

Um diesen Kern herum gruppiert die Autorin vor allem zum einen Susan, eine junge Anwältin, idealistisch auf der Seite der Schwachen, aber bis dato ohne wirklichen Lebenskontakt zu jener Welt, die sie innerlich vertritt. Das ändert sich, als sie Andrew, einen attraktiven Rinderzüchter aus Kimberley kennenlernt, seiner Einladung folgt, sich vor Ort ein Bild des Landes zu machen und hier mit inneren Eifer und Überzeugung den Kampf der Aborigines um Gleichberechtigung zu ihrem eigenen Kampf macht. Auf die Gefahr hin, die beginnende Annäherung an Andrew gleich im Keim zu ersticken,

 

Zum andern folgt der Leser den Spuren Veronicas, einer Journalistin, die verzweifelt versucht, ihren Kinderwunsch wahr werden zu lassen und die in Kimberley in den uralten Traditionen und Weisheiten der Aborigines ganz andere Möglichkeiten finden wird als die der Schulmedizin. Eine Welt, die ihre Spuren bei Veronica hinterlassen wird.

 

Wie überhaupt auch bis in die Nebenfiguren hinein scheinbar bei den Figuren im Buch, trotz allen äußeren Erfolges, zum Teil eine innere Leere gespürt wird und die Lebenssuche auch bei hochrangigen Richtern im vorgerückten Alter noch nicht abgeschlossen ist. So deutet sich ein polares Denken im Buch an. Hier die „zivilisierte“ und erfolgreiche Welt, aber innerlich suchend und dort die mystische Welt voller Geistwesen und Geschichten, unterdrückt, arm, um ihre Rechte kämpfend, aber innerlich mit einem tiefen Fundus an Weisheit ausgestattet, welcher die innere Suche auf rechte Bahnen zu lenken wüsste. In der Anwältin Susan treffen sich diese Welten. Ein allerdings nicht immer stimmiges und letztlich zu einfach gestricktes Weltbild, dass in den Zeilen des Romans zum Ausdruck kommt.

 

Zudem schwierig für den nicht-australischen Leser gestaltet sich die zentrale Stellung der Aborigines. Es darf bezweifelt werden, ob außerhalb der Grenzen Australiens die Traditionen und die Gegenwart dieses Volksstammes zu fesseln vermögen. Wer sich aber auf das Buch einlässt und sich daran nicht stört, erfährt viele Details aus der Geschichte Australiens und der gegenwärtigen Spannung im Lande um die Aborigines herum. Gepaart mit innerer Suche, natürlich einer Liebesgeschichte und starken Frauen bietet das Buch durchaus eine solide Unterhaltung mit einer Prise mystischen Geschehens aus einer weitgehend nicht allzu bekannten Welt der Ureinwohner Australiens.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Di Morrissey

 

ist die erfolgreichste Autorin Australiens. Als Journalistin arbeitete sie für Frauenmagazine, Radio und Fernsehen, schrieb Drehbücher und Theaterstücke und wirkte an zahlreichen TV-Produktionen mit.

 

(Quelle: Dromer-Knaur Verlag)