Ullstein 2017
Ullstein 2017

Dominic Smith – Das letzte Bild der Sara De Vos

 

Zum drin versinken

 

Einige der holländischen Malerinnen des 17. Jahrhunderts, die in die damals hochgeachtete „Lukas-Gilde“ der Maler aufgenommen worden waren, hat Dominic Smith zu seiner „Sara de Vos“ in einer Person vereinigt und erzählt im Buch in Einschüben von Rückblenden eine zwar eher frei erfundene, wohl aber in der Atmosphäre treffende Lebensgeschichte dieser Malerin.

 

Von der, so der Roman, zunächst nur ein einziges Bild noch existent ist, dass dieser klar zugeordnet werden kann. Doch im Lauf der unentwirrbaren Fäden und Verbindungen, welche die Hauptpersonen des Romans im Lauf der Ereignisse miteinander verweben wird, kommt doch noch einiges mehr über die Künstlerin ans Tageslicht.

 

Zunächst zumindest eine Verdopplung des vorhandenen Bildes. Das bei Marty de Groot, aktuell vor sich hin dümpelnder Patentanwalt in einer größeren Kanzlei, an der Schlafzimmerwand liegt und von ihm nicht selten eingehend betrachtet wird, wenn er mit seiner Frau die „ehelichen Pflichten“ in den Blick nimmt.

 

Bis zu dieser Party, dem Spendendinner, dass das Ehepaar de Groot in seinen Räumen ausrichtet. Mitsamt der kreativ gemeinten Idee seiner Frau Rachel, das ganze Mal mit „Miet-Beatniks“ aufzulockern. Was nicht unbedingt bestens bei den konservativen Gästen ankommt und was, vor allem, für das Bild Folgen haben wird.

 

Eine junge Kunstschaffende, Ellie, hält sich mit Restaurationen über Wasser und erhält nun den Auftrag, eine exakte Kopie eines Bildes nach Fotografien herzustellen. Natürlich ahnt sie, wofür diese Kopie gebraucht wird und natürlich wird auch Marty de Groot irgendwann feststellen, dass da in seinem Schlafzimmer eine Kopie hängt.

 

Wer diese aber in Auftrage gegeben hat, wer den Austausch und wann vorgenommen hat, das ist und bleibt lange im Unklaren.

 

Dennoch wird es ein Lebensthema Marty´s bleiben, das Bild zu suchen und die Hintergründe aufzudecken. Wobei der Leser sowohl Marty in seinem weiteren Ergehen eng begleiten wird, wie auch Ellie, über einen Zeitraum von über 40 Jahren hinweg wird da ein Band bestehen bleiben. Zu einem Zeitpunkt an ganz enges Band sogar, das Scham, Schuld und Reue nach sich ziehen wird und das beide Leben noch einmal neu Polen wird.

 

Vorgetäuschte Liebe, Leere im Leben, Zueinander finden und sich verlieren und bei all dem spielt das Bild eine tragende Rolle.

 

„Dass das Verschwinden des Bildes………..auch der Grund ist, warum ihn seine Kanzlei endlich doch noch zum Partner befördert. Und dass das vermaledeite Bild Schuld an Gicht, Rheumatismus, den Herzinfarkten, Schlaganfällen und der sporadisch auftauchenden Unfruchtbarkeit ist, die seine Familie über 300 Jahre heimgesucht haben“.

 

Und dennoch, einfach sich betrügen lassen, das Bild schlichtweg vergessen, das gelingt Marty nicht.

 

Mit ganz feiner, einfühlsamer und doch überaus flüssiger Sprache schildert Smith die drei Lebensbilder von Besitzer, Kopistin und Malerin, bei denen unsichtbare Verbindungen sich aufbauen, Liebe entstehen wird, der ebenso Gewalt angetan werden wird. Wobei die Geschichte von Marty und Ellie samt der sie umgebenden Personen in der Zeit von 1957 bis zum Jahre 2000 ungleich anrührender, auch spannender und grundmenschliches zentraler a abhandelnder sich darstellt, als der historische Rückblick, der den Leser emotional nicht wirklich erreicht oder fesselt.

 

 

Diese Parallele aber zwischen Original und Kopie und wie wichtig es ist, sich nicht einem „Abklatsch“ im Leben zufrieden zu geben, der Blick auf den seltsam unentschlossen wirkenden Marty (bis auf einmal im Buch, wo er sehr konkret und stringent handelt), die Wege er Liebe von Leidenschaft über ein ruhiges Miteinander, das alles liest sich sehr gut und hallt lange nach,

 

M.Lehmann-Pape 2017