Berlin Verlag 2012
Berlin Verlag 2012

Edward Lewis Wallant – Mr. Moonbloom

 

Eine Wandlung

 

„Ich bin nicht mehr Mr. Moonbloom........ oder, ich war es nie.“

 

Eine Entwicklung einer Person, die durchaus einen längeren Weg nimmt, dort in Manhattan. Den Weg eines Mannes, der es „nicht geschafft“ hat, könnte man sagen, denn wie sonst findet man sich mit 33 Jahren als kleiner Angestellter eines erfolgreichen Bruders wieder, dessen Aufgabe darin besteht, die Mieten aus den vermieteten Wohnungen des Bruders einzutreiben?

 

33 Jahre alt, „unberührt“, einer, der den Menschen intensiv zuhört, der mit „Geschichten“ entlohnt wird und durchaus hier und da fast verzweifelt an der inneren Haltung der lieben Mitmenschen (und an den eigenen Unzulänglichkeiten), werden da nicht Erinnerungen an eine fast 2000 Jahre alte Geschichte vom „kräftigen Wort“ und im Raume stehender Verwandlung bis hin zu einer Erlösung gar wach?

 

Um zu entscheiden, ob dieser Nr. Moonbloom Ähnlichkeiten mit Jesus hat, dafür muss man natürlich zunächst dieses Buch lesen. Bei dem die Geschichte dieses, nach den Maßstäben des Erfolges gemessenen, „Versagers“ zunächst die Klammer, einen roten Faden bildet, an dem Edward Lews seine vielen kleineren und größeren Geschichten im Buch aufreiht. Denn nach und nach lässt Lewis den Leser durch die Ohren und Augen Moonblooms teilhaben an den Geschichten der Mieter der Wohnungen. Und da Moonbloom nicht in den reichen Wohnungen vornehmlich zu tun hat, sondern im ärmeren Teil Manhattans, sind das oft keine lichten und gleißenden Geschichten und Leben, auf die er trifft.

 

Trinker. Menschen voller Wut, Menschen am Rande, hinter jeder Wohnungstür sitzt, lebt jemand, der vor allem versucht, irgendwie die Nase über Wasser zu lassen, wenn nicht schon Resignation sich breit gemacht hat. Treffend und präzise erfasst und geschildert von Wallant.

 

Wie ja auch Moonbloom selbst von seinem Bruder gerne und deutlich daran erinnert wird, dass er am unteren Ende der Futterkette sich befindet und die „wirklich wichtigen“ Dinge des Lebens nicht auf die Reihe bringt.

 

Was aber sind die „wirklich wichtigen Dinge“ des Lebens? Ist es der „amerikanische Traum“ des Erfolges, das hart sein, hart werden, materiell alleine sich ausrichten auf den äußeren Erfolg hin? Oder ist es die Kraft zur Gemeinschaft, zur „Tat für andere“? Zur Entstehungszeit des Romans Anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts war besagter „american way of life“ noch in voller Blüte in den Köpfen der Amerikaner und so ist es ein ganz besonderer Blick, den Wallant damals auf Manhattan und das Leben am Rande wirft. Ein Blick, der nicht nur einen soziologischen Aspekt auf das Leben zu einer konkreten Zeit wirft, sondern der in in  der Ausweglosigkeit vieler Lebensentwürfe dort, aber auch im „Beladen Werden“ durch so viele Schicksale und Geschichten anderer Menschen ein Symbol für Mitmenschlichkeit und die Kraft des Wortes ist.

 

Ein Buch, in dem der Leser Einblick erhält in die Schwere, die Sackgassen des Lebens, in die kleinen Hoffnungen und die großen Verluste und, am Ende, eine Überraschung erlebt, eine Wendung in der Hauptperson, die das Ganze noch einmal in ganz anderem Licht erscheinen lassen. Eine ruhige und treffende Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2012