Droemer 2014
Droemer 2014

Eli Brown - Die kulinarischen Anwendungsmöglichkeiten einer Kanonenkugel

 

"Fluch der Karibik" lässt grüßen

 

Owen Wedgewood ist Koch in hohem Hause und ein guter dazu.

 

Wie geschmiert läuft seine professionelle Küche, mit erlesenen Zutaten zauber er wunderbare Gerichte für seinen Lord und dessen Gäste. Auch wenn hier und da eine kleine, fein gezüchtete Schweinherde zu Demonstrationszwecken einer neuen Explosivwaffe leider "zweckentfremdet" werden.

 

Doch als sich Wedgewood Auge in Auge mit seinem erschossenen Lord auf dem Boden liegend wiederfindet und ihn diese attraktive, rassige, kühle, rothaarige, zielsichere und brutal wirkende Piratenkapitänin durch einige ihrer beeindruckenden Männer auf ihr Schiff bringen lässt, ist es mit der Ruhe  und der Freude in der Küche vorbei.

 

Nicht nur, dass die Kombüse an Bord aller Beschreibung spottet, auch die Vorräte bestehen weitgehend aus Dingen, die Wegdwood nie mit dem Begriff  "Lebensmittel" verbinden würde.

 

Natürlich sinnt der übergewichtige Mann beständig auf seine Flucht (aber man sollte vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht, wenn man dann alleine im Atlantik treibt), doch zunächst hängt der Strick drohend in seinem Blickwinkel (immer noch besser allerdings als die "aufhübschende Schminke", die er bei einer Bestrafung an Bord miterleben muss).

 

Einmal die Woche hat er der Kapitänin ein Diner zu servieren und ihr Gesellschaft zu leisten. Klar soweit, dass die Güte des Diners über sein Überleben in der darauffolgenden Woche entscheidet.

Und das Mad Hannah Mabbott (anders als ein "Jack Sparrow") durchaus auch brutal zu töten in der Lage ist, wenn sie in Wallung gerät, davon kann sich das zarte Gemüt Wedgewoods unfrewillig einige Male überzeugen.

 

Doch je mehr er erfährt, je näher er die Frau kennenlernt, je tiefer er Einblick in ihren rücksichtslosen Kampf gegen eine bestimmte Handelsgesellschaft erhält und je klarer ihm wird, warum der Mann namens "Fox" von Mabbott dringlich aufgespürt werden soll, desto mehr ändert sich auch sein Blick auf das Geschehen.

 

Lebendig und bildkräftig erzählt Brown diese Piratengeschichte, Die natürlich in ihren Grundzügen nicht unbekannt ist (eine Art Schatz wird gesucht, es gibt den erfindungsreichen gegnerischen Kapitän mit persönlicher Rachsucht, es gibt den Filou, der als Verbündeter gewonnen werden soll, auch wenn persönliche Spannungen das sehr erschweren, es gibt die geheimnisumwitterte Kapitänin, die oft hilflos wirkende Hauptfigur, die sich aber entfalten wird, es gibt jede Menge Humor und skurrile Gestalten "an Deck") und dennoch (oder gerade deswegen) bestens funktioniert und unterhält.

 

zudem wirft Brown ganz hintergründig einen informativen Blick auf die "koloniale Praxis" und worum es Ende des 19. Jahrhunderts wirklich ging (Tee war es weniger).

 

Ergänzt durch einige Prisen von Kampf und Kanonendonner, von dem ein oder anderen (anregend knapp, nicht elegisch, aber ausreichend) geschilderten besonderen Rezept des sehr kreativ sein müssenden Koches auf dem Piratenschiff liest sich das Buch wie in einem Rutsch wunderbar.

 

Gute Unterhaltung mit einem ganz anderen "Helden" (der Küche) in einem klassischen, humorvollen, aber nicht überzogen satirischem Piratenabenteuer

 

M.Lehmann-Pape 2014