Bloomsbury Berlin 2010
Bloomsbury Berlin 2010

 

Elizabeth Kostova – Die Schwanendiebe

 

Besessene Malerei

 

Um drei Hauptpersonen herum entwickelt und entfaltet Elizabeth Kostova ihre Geschichte, in der die Malerei eine zentrale Rolle spielt.

 

Da ist einmal der Psychiater und Liebhaber von Bildern, Andrew Marlow, bei dessen neuestem Patienten seine beiden Kompetenzen zusammen gefordert werden. Robert Olivier hat in der National Gallery of Art einen Anschlag verübt. Nicht auf einen Menschen, sondern auf ein Bild ist der bekannte Künstler und Mahler mit dem Messer losgegangen. Seitdem ist der Patient der Psychiatrie und malt unentwegt nur ein Motiv, ein unbekannte, junge Frau.

Beatrice de Clerval, die dritte Hauptperson ist eine Figur des 19. Jahrhunderts, Malerin in Paris.

 

Was diese drei Personen miteinander verbindet ist lange Zeit nicht klar, dass es aber eine Verbindung geben muss, dass ist schon auf den ersten Seiten zu erahnen. Zumindest eines ist klar, der verwirrte Künstler hat eine innere Bindung zu der jungen Malerin, denn einige ihrer damaligen Briefe finden sich in seinem Besitz. Briefe, die noch eine Rolle spielen werden, denn immer wieder lässt Kostova einzelne der Briefe in ihre Geschichte einfließen, eine Geschichte, die in verschiedenen Erzähllinien aus der Perspektive der verschiedenen Protagonisten erzählt wird.

 

Langsam erzählt wird, muss bemerkt werden. Viel Sorgfalt legt Elizabeth Kostova auf die Entfaltung ihrer Figuren, wie in einem farbenfrohen Gemälde werden, bildlich gesprochen, langsam die Farben angerührt und gemischt und ebenso langsam erst ergeben sich im Laufe der fast 670 Seiten Konturen eines Gesamtbildes, Einblicke in die inneren Verbindungen der Protagonisten untereinander. Verbindungen, die geprägt sind von der Leidenschaft zur Malerei, aber auch von geheimen und hintergründigen Leidenschaften, die, wie sollte es anders sein, starken Einfluss auf das Geschick zumindest der jungen Malerin Beatrice nehmen werden.

 

Elizabeth Kostova schreibt ohne Aufregung, ohne Falltüren und Gefahren für die Protagonisten, das Buch lebt alleine aus der sich langsam verdichtenden Ursache für die zunehmende Besessenheit Oliviers heraus und aus der Neugier des Lesers auf das Verstehen der intensiven Verbindungen der Figuren heraus. Zudem noch aus dem ästhetischen Genuss des hochwertigen Sprachstils der Autorin.

 

Nicht immer reicht dies aus, selbst wenn man als Leser eine eigene Affinität zur Malerei besitzen sollte. So manche Strecken des Buches sind zu weitläufig und zu langatmig und wirken für den Fortgang der Geschichte damit eher hinderlich denn förderlich.

 

Dennoch ist das Buch im Gesamten ein ruhiges und schönes Leserlebnis, dass dabei allerdings weniger der reinen Unterhaltung dient, sondern mehr der Freude an der Sprache und dem Interesse an den Obsessionen wahrer Künstler entgegen kommt.

 

M.Lehmann-Pape 2010