carlsbooks 2014
carlsbooks 2014

Emma Mars – Hotel de Paris

 

Im Fahrwasser von „Shades of grey“

 

Eigentlich verdingt sich Annabelle nur des Geldes willen als Escort Dame. Und das nicht für ihren Luxus, sondern um der Mutter die teure Krebs-Behandlung zu ermöglichen. So denkt sie das.

 

Doch andererseits setzt dieser „Nebenjob“ in ihr Gedanken und, vor allem, „Selbsterforschungen“ frei.

Begegnungen, Stellungen, ein „benutzt werden“, Momente, in denen ihr Verstand, ihrer gut erzogene „Kinderstube“ strikt darauf beharren, daran nun wirklich keine Freude zu finden.

 

Romantik, Liebe, Ehe, Kinder, das sind die Schlagworte ihres eigentlichen Seins. Meint sie, denkt sie und so handelt sie dann auch. Wobei, wenn eigentlich das Sexuelle zum ständigen Begleiter auch im Buch wird, vielleicht ist es dann mit der „eigentlichen Romantik“ gar nicht so weit her? Vielleicht gesteht sie es sich einfach (noch) nicht wirklich zu, worum es ihr geht?

 

Durch Zufall lernt sie einen attraktiven, sensiblen, ihr zugewandten Mann kennen, der sie schon bald mit einem Antrag überrascht. So könnte sie nun aller Sorgen ledig sein, denn reich ist David zudem, die Kosten für die Krankheit der Mutter wären kein Problem mehr.

 

So gedenkt Annabelle sich aus dem Escort Service zu verabschieden, nach diesem letzten, fest vereinbarten Auftrag.

 

Doch andererseits, der Leser ahnt es und Annabelle auch, die „Lust an der Lust“ lässt sich nicht einfach an die Kandare legen.

 

Annabelle ist verwirrt. Von sich, zunächst, von der Liebe, der Romantik und dem, was ihr Körper eigentlich zu wollen scheint.

 

„So wird er mich nicht zum Höhenflug bringen“, konstatiert ihre „innere Stimme“ beim ersten erotischen Erlebnis mit David.

 

Aber als Davids Bruder kennenlernt, da spürt sie, was „Höhenflüge“ sind und verstrickt sich zunehmend in körperlicher Lust einerseits und der Sehnsucht nach romantischer Liebe. Zwei Pole, für welche die beiden Brüder stehen. Wobei die „dunkle Seite“, da, wo in einem Verschlag irgendwann viele Klappen aufgehen und Hände nach ihr greifen werden, einen kaum zu kontrollierenden Reiz auf sie ausüben werden. „Begehrt sein“, körperlich, das ist, was sie eigentlich sucht und braucht.

 

In sehr verspielter und sehr, sehr (viel zu) wortreicher Sprache, allerdings ohne es an den entsprechenden (häufigen) Stellen auch nur im Geringsten an sexueller Klarheit und Eindeutigkeit fehlen zu lassen, geht Emma Mars dieser inneren „Entfaltung“ nach und führt auch den Leser an die Grenze zwischen „Alltag, aber sicher und ruhig“ und „Abenteuer voller selbsterforschender Lust“.

Was allerdings sprachlich doch allzu schlicht und leider ohne emotionale Tiefe dargeboten wird.

 

 

Mit viel Ähnlichkeiten zu Büchern wie „Shades of grey“ oder „80 days“ und manchen Längen durch die vielen, vielen Reflexionen der Annabelle gelingt doch alles in allem zumindest ein unterhaltsamer und erotisch anregender Roman um die Sache zwischen Lust und Liebe, der gerade in der erotischen Komponente des Buches zu überzeugen versteht.

 

M.Lehmann-Pape 2014