Hoffmann & Campe 2017
Hoffmann & Campe 2017

Eric Ambler – Topkapi

 

Immer noch ein erfrischender Krimi mit komödiantischen Elementen

 

Allein schon, dass es dem (entsprechend älteren) Leser kaum möglich ist, den Roman zu lesen, ohne durchgehend das Gesicht des jungen Peter Unstinov vor Augen zu haben (der noch nicht mal die Hauptrolle im Film spielte), ist schon ein Indiz für die Zeitlosigkeit von Thema und Abläufen im Roman.

 

Gut, die kriminellen Elemente (der Diebstahl von wertvollen Juwelen in Form eines Dolches, an dem diese angebracht sind) kommt gänzlich ohne Handys, Laptops und anderem leichten- und schweren Hightechgerät aus. So muss es auch in Situationen Muskelkraft richten, bei denen in heutigen Thrillern bequem tragbare Flaschenzüge zum Einsatz kämen.

 

Was aber gar noch zum Vorteil des Romans gereicht, der nun auch die Sehnsucht zu einer und die Vorstellung von der „guten alten analogen Zeit“ noch einmal in flüssiger, leichter, humorvoller und dichter Sprache dem Leser vor Augen führt.

 

Da weiß man, woher Blockbuster der jüngeren Vergangenheit wie „Oceans Eleven“ oder „The Italian Job“ ihre Vorbilder gefunden haben. Von „Rififi“ bis „Topkapi“ ist das „eigentlich unmögliche Stehlen eines Gegenstandes aus einem geschlossen und (eigentlich) nicht zugänglichen Raum) eine ganze Tradition solcher Romane und Drehbücher.

 Bis hin zu den entsprechenden „Buddy-Themen“, den „Spezialisten“ (bei Topkapi bedarf es eines Akrobaten ebenso, wie in den „Ocean“ Filmen“).

 

Der eigentliche der dabei entstehenden, besten Unterhaltung sind dabei ja gar nicht unbedingt der Raub an sich. Die Vorarbeiten, das Zusammenstellen eines Teams, die Gegenseite, die das unbedingt verhindern will, die rasanten Wendungen, die heimlichen Pläne mancher, die plötzlich die gesamte Handlung in andere Richtung bringen, wenn sie zu Tage treten, all das macht den Reiz aus und wirkt kein bisschen angestaubt nach den doch nun gut über 50 Jahren, die seit Erscheinen des Buches (und des Filmes 1964 später dann) verstrichen sind.

 

So kann sich der Leser in dieser, nun dankenswerter Weise wieder neu in Deutsch erschienen, „Welt der Diebe“ hineinfallen lassen, ohne zum genauen Verständnis am besten Informatik studiert zu haben oder sich wappnen zu müssen für brutale Morde, literweise Blut und einen harten Spruch nach dem anderen von Personen, die einer härter als der andere sind.

 

Immer noch und immer wieder eine hervorragende Lektüre.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017