Carlsbooks 2013
Carlsbooks 2013

Eva Sternberg – Sex and the Office

 

Luftige Komödie

 

Durchaus locker, flüssig und mit Humor gewürzt schreibt Eva Sternberg ihre Geschichte über Charlotte. Berlinerin, Dauerpraktikantin als „irgendwas mit Medien“, die nun ihre Chance bei einem Privatsender nutzen möchte, nach einem weiteren Praktikum endlich das langersehnte, vor allem bezahlte, Voluntariat zu ergattern.

 

Wobei jene Charlotte bedauerlicherweise kein Fettnäpfchen auslässt, sich ihre Chancen selber zu verbauen. Dem noch unbekannten Chef schon vor Antritt der Arbeit das Auto ein wenig versauen, am ersten Tag direkt erst einmal zu spät kommen, einem amerikanischen Hollywoodstar einen sehr feuchten „Nießer“ auf die Lederjacke beim Interview vor laufenden Kameras verabreichen, all dies deutet nicht auf eine baldige Karriere hin.

 

Wobei Charlotte doch all diese Faux Pas umschifft und teils zu ihrem Vorteil gar zu wenden versteht.

 

Das nebenbei Vater und Mutter sich trennen, ihre Mutter sich kurzerhand bei ihr einquartiert, Charlotte ganz am Ende sehr überrascht von der neuen Liaison ihres Vaters sein wird und währenddessen mit ihrem Freund und Mitbewohner Max ein ernstes Wort noch reden wird über die Frau, die sie in seinem Bett vorfindet, all das sind durchaus bekannte, aber letztlich unterhaltsam und flüssig umgesetzte Motive, die im Buch ihren Platz finden und für die Komödienüblichen Irrungen und Wirrungen sorgen.

 

„Komödienüblich“ aber ist auch das Stichwort für jene Momente des Romans, die den Leser nicht völlig überzeugen. Weitestgehend sehr vorhersehbar ist, was in den einzelnen Beziehungskonstellationen geschehen wird. Wie auch die „private“ Geschichte Charlottes, was die Liebe angeht all zu bekannt in ihren Motiven dargestellt wird.

So weiß ein einigermaßen erfahrener Leser fast umgehend, wer mit wem in welcher Form zusammenkommen wird, wer nicht zum Zuge kommen darf, wer Verbündeter und wer Gegner ist. Das zudem noch das ebenso altbekannte Motiv des „eigentlichen Talentes“ der Hauptperson im Raume steht, vertieft die Vorhersehbarkeit noch deutlich.

 

Auch die Wahl des Titels scheint eher eine (verkaufsfördernde?) Anspielung auf eine erfolgreiche amerikanische Serie zu sein, denn dass dieser Widerhall im Buch zu finden. Es geht schon um Avancen, das ja, aber diese sind nicht das tragende Motiv im Buch, sondern bilden eher den „Hintergrund“ der Geschichte. Und „taffe“ Großstädterinnen findet man ebenso nicht als tragende Figuren. Eher eine noch unfertige junge Frau, die in beruflichen wie in Liebesdingen sich noch zu finden hat und dabei allzu oft sich selber im Wege steht.

 

Dennoch liest sich die Geschichte gut und unterhaltsam, ist Eva Sternberg mit ihrer Charlotte eine jener Frauen aus der „Generation Praktikum“ gelungen, welche die Sackgassen für all jene, die „irgendwas mit Medien“ machen wollen genau getroffen widerspiegelt. Wie ebenso die „Entwicklungsphase“ der Mitt- bis Endzwanziger hin zu dem, was man denn nun auf Dauer wirklich machen möchte im Buch gut aufgenommen ist . Dass in der Realität niemand auch nur eines der geschilderten Fettnäpfchen tatsächlich überstehen würde, das allerdings muss nebenbei auch noch erwähnt werden.

 

Alles in allem eine zwar weitgehend vorhersehbare, in den „überraschenden Wendungen“ nicht sonderlich mitreißende, aber  solide, humorvolle Unterhaltung.

 

M.Lehmann-Pape 2013