Blanvalet 2011
Blanvalet 2011

Gayle Forman – Lovesong

 

Ein Tag, der das Leben verändert

 

Im Kern ein Tag ist es, den Gayle Forman in ihrer Fortsetzung von „Wenn ich bleibe“ zum Zentrum ihres neuen Romans macht.

 

Ein Tag, drei Jahre nach den Geschehnissen des ersten Romans um Mia und Adam, der aus der Sicht Adams geschildert wird. Inzwischen hat Adam mit seiner Band den Durchbruch als internationalem Rockereignis geschafft, er selber ist umringt von Fans und Paparazzi. Eine Platte brachte den Durchbruch, Musik, mit der er aus der Tiefe seiner verletzten Seele die Trennung von  Mia thematisierte. Jene Mia, die ihn einfach ohne Gespräch, ohne Nachricht, wie „dahintröpfelnd“, abservierte. Was er bis heute nicht versteht und was dazu führte, dass er „neben sich“ steht, seitdem.

 

Die Nähe zu seinen Freunden aus der Band kann er nicht mehr ertragen, er besteht auf getrennten Hotels. Pillen halten seine Angstzustände im Zaum, die bevorstehende Tournee verursacht ihm nichts als Panik und so taumelt er mehr, als dass er geht, durch die Straßen New Yorks. Jenes New York, in dem Mia einfach verschollen gegangen ist. Die Zeit drängt, Termine warten, der Flug nach London ist gebucht und an sich bereits überfällig, doch Adam spürt keinen Antrieb.

 

Durch Zufall sieht er bei seinem ziellosen umherwandern durch die Straßen eine Konzertankündigung Mias, die zur Cellistin gereift ist. Spontan ersteht er eine Karte und hört sich auf einem verdeckten Platz den Auftritt seiner Jugendliebe an. Ein Anhören, dass ob seiner Prominenz nicht unentdeckt bleibt. Mia lässt ihn in die Garderobe bitten und, der Leser sei vorgewarnt, in der Innenschau beider Menschen beginnen nun teils herzzerreißende Stunden.

 

Es passiert gar nicht viel, äußerlich, in der Abfolge, die Forman ihrer Geschichte zu Grunde legt.

Desto mehr aber geschieht auf der inneren Ebene der Protagonisten. Nicht nur da Finden und Verlieren und, vielleicht, wiederfinden der Liebe. Überdeutlich versteht es die Autorin, die Zerbrechlichkeit des inneren Seins eines Menschen darzustellen. Das aus der Bahn geworfen werden und nicht wieder hineinfinden. Die Motive auch Mias werden Seite für Seite langsam entblättert, bis sie folgerichtig vor den Augen des Lesers liegen.

 

In bildreicher, tiefgehender Sprache gelingt es Gayle Forman, jene Kraft der Liebe im Guten, Heilendem, wie auch im Zerbrechenden nicht nur vor Augen zu führen, sondern emotional spürbar in den Raum zu setzen. Wie man sich selbst verlieren kann durch das Hochsetzen eines anderen, wie Adam seitdem durchs Leben taumelt trotz neuer Beziehung, das kennt jeder, der Liebeskummer bereits erlebt hat und das versteht Forman, hervorragend zu beschreiben.

 

Ein wunderschönes Buch über die Liebe, das Leben, über Trauer und den Weg zu sich selbst, der nur gelingt, wenn man sich innerlich dem stellt, was das eigene Leben auch an Tiefen bereit hält.

 

M.Lehmann-Pape 2011