Ulllstein 2011
Ulllstein 2011

Hans-Herrmann Thielke – Wir haben Sie leider nicht angetroffen

 

Die Wahrheit über die Deutsche Post

 

Man müsste schon zwei- bis dreimal hinschauen, bzw. hinlesen, wüsste man nicht von vorneherein, dass Hans-Herrmann Thielcke als Comedian unterwegs ist. Mit solcher Ruhe und solchem, zunächst, bierernst zutreffendem Tonfall, stellt er sich im Vorwort als pensionierten Postbediensteten und „Aufklärer der Nation“ über die Post an sich vor.

 

Spätestens aber, wenn er als Leiter einer Poststelle und Herr über die Schalter und drei Untergebene den „Nahkampfeinsatz“ bei Stromausfall in völliger Dunkelheit darstellt und auf solche Feinheiten aufmerksam macht, wie das an der ertastbaren Form der Briefmarken deren Wert leider nicht feststellbar ist, spätestens dann wird deutlich, dass hier ein Autor mit feinem Humor und ironischer Zuspitzung all jenes unter die Lupe nimmt, was seit Jahrzehnten in Filialen und an Schaltern der Deutschen Post (natürlich meist aus reiner Unkenntnis des unbedarften Kunden) schiefgeht.

 

„Selbst wenn unsere Kunden überhaupt keine Zeit an den Schalter mitgebracht hatten, wir haben sie uns für ihn genommen“, mit diesen Worten beispielsweise umschreibt Thielke in bester Manier die oft zu beobachtende Schneckengeschwindigkeit an Postschaltern.

Nun also weiß der Leser, es ging um sein Wohl, seine innere Beruhigung, sein tiefes Durchatmen, welches der jeweilige Postangestellte mit heilkundlicher Motivation zu übermitteln verstand. Ebenso weiß der geneigte Leser nach der Lektüre jetzt endlich, dass der Postangestellte mit dem pünktlich aufgestellten „Geschlossen“ Schild nicht seine eigene, innere Haltung zum Ausdruck bringt (er selber würde bis spät in den Abend hinein Kunden glücklich machen), sondern nur rigide Vorschriften befolgt, um sich nicht strafbar zu machen.

 

So streift Thielke durch die verschiedenen Themen und Lebensbereiche der Deutschen Post aus Kunden- und Angestelltensicht, gibt zwischendurch in kleinen Portionen noch ein A-Z Lexikon des Postwesens zum Besten und unterhält durchweg mit einem warmen, feinsinnigen Humor.

Brachialwitze und lautes Getöse ist nicht die Sprache von Hans-Herrmann Thielke, eher hintersinnig und unterschwellig setzt er seine Pointen mit durchaus hohem Wiedererkennungswert alter Postschaltererlebnisse.

 

Dies ist aber auch das Manko des Buches, die „alten“ Posterlebnisse. In Zeiten, in denen mehr und mehr die Post in Lotto-Annahmestellen, Zeitschriftenläden oder in irgendwelchen Ecken großer Einkaufszentren kleine Fillialen durch Subunternehmer betreibt, entspricht es kaum mehr der alltäglichen Erfahrung, klassische Poststellen mit klassischen Postbeamten anzutreffen. Zwar geht Thielke auch auf diese moderne Welt des E-Post Briefes ein, doch dies wirkt im Buch eher wie hinten drauf gesetzt. Vieles an den geschilderten Szenen und mit Humor versehen, fiktiven Erlebnissen erhalten so den Beigeschmack einer nostalgischen Erinnerung und bilden nicht die Tagesaktualität des Erlebens ab, rechtes Schenkelklopfen will sich daher nicht einstellen.

 

Dennoch, flüssig und angenehm zu lesen, versehen mit einem ebenso angenehmen und ruhigen Humor, bietet das Buch durchaus anregenden Unterhaltungswert für zwischendurch. Thielke versteht es bestens, zu unerhalten, nur das gewählte Thema ist nicht unbedingt up to date.

 

M.Lehmann-Pape 2011