dtv 2010
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Harald Braun. Der mieseste Liebhaber der Welt

 

Auf erotischer Suche

 

Stimmt es, was seine Ec Frau in einer Talk Show öffentlich über Markus Stiltfang behauptet? Dass er der mieseste Liebhaber der Welt ist? Ein ernüchternder Schlag seiner Ex, vor allem, weil Markus als angesagter und hoch erfolgreicher Ratgeber-Schriftsteller zum Thema Erotik einen Ruf bei seinen Lesern zu verlieren hat. Die, den Aussagen seiner Ex-Frau folgende, Pressekampagne zumindest drückst seine bisherigen Bestseller Verkaufszahlen in unterirdische Regionen.

 

Doch da kommt seinem Verlag eine neue, wunderbare Idee. Soll er doch ein Buch über seine verflossenen Liebschaften schreiben, den Schlag ins Genick zum Durchstarten nutzen und tatsächlich ein Buch über ihn als miesesten Liebhaber schreiben.

 

So macht sich Markus Stiltfang auf, all seine Liebesgeschichten, beginnend bei seiner jungen Stiefmutter an, nachzuhalten, aufzuschreiben, Kontakt zu den Verflossenen aufzunehmen und deren Bewertung abzufragen.

 

Eine weitgehend höchst vergnügliche, erotische Reise beginnt, die an den entsprechenden Punkten aber verdeutlicht, dass hinter all der Unbeständigkeit und der Unfähigkeit des Protagonisten, wirklich treu zu sein, eine ganz andere Sehnsucht und Suche steckt. Die nach der wahren Liebe und einem echten, inneren zu Hause. Auch dieses Suche schwingt in den berührenden Momenten des Buches mit.

 

Harald Braun, der einige seiner äußeren Lebensdaten als Redakteur Seiner Hauptperson im Buch mit auf den Weg gibt, versteht es, in lakonischer Sprache und einem treffenden Blick für die Zwischentöne menschlich (erotischer) Beziehungen, ein stimmiges Bild eines Mannes auf der Suche zu entwerfen. Ebenso stimmig gelingt es ihm, mit leichter, erzählerischer Hand, die Frauen im Leben des Markus Stiltfang wunderbar auf den Punkt hin lebendig in den Raum treten zu lassen. Diese gelungene Darstellung der vielen möglichen Nuancen von Persönlichkeiten und von Beziehungen zueinander sind es, die das Buch zu einem reinen Vergnügen machen.

 

Das interessanterweise sich ein mögliches Glück des Protagonisten genau da andeutet, wo die Beziehungsgestaltung in ganz anderer, fast anonymer, vor allem aber nicht erotischer, Form beginnt, ist ein Hinweis für jeden Leser, dass die vielfache Suche nach Liebe und Glück vielleicht gelingender gestaltet werden könnte, wenn die sattsam bekannten und erprobten Strategien zur Seite gelegt und dafür eine größere Gelassenheit ins Feld geführt werden könnte.

 

Eine rund und treffend erzählte Geschichte mit hohem Wiedererkennungswert für das eigene Leben. Nicht immer im ganz konkret Geschilderten, wohl aber in den grundsätzlichen Hintergrundströmungen des Buches.

 

M.Lehmann-Pape 2010