C.Bertelsmann 2013
C.Bertelsmann 2013

Harald Martenstein – Freuet Euch, Bernhard kommt bald

 

Weihnachten ganz anders

 

„Manchmal habe ich mich gefragt: Wie würde eine Weihnachtsgeschichte klingen, wenn Stephen King sie schreibt?“.

 

Diese Gedanke war für Harald Martenstein nicht „der Eine“, durchaus aber ein gewichtiger von einigen Ausgangspunkten für seine Beschäftigung mit einer ganz anderen, sehr unweihnachtlichen (und hier und da doch den Geist der Weihnacht aufnehmenden) Annäherung an das „heilige Fest“.

 

Sicher, in der ersten Geschichte des ganz besonderen Weihnachtsmannes (der nachher nur noch mit seinem Bart an herausgehobener Körperstelle bekleidet den Abend für andere unterhaltsam zu gestalten gedenkt) führt noch nicht ganz in diese Richtung, aber wenn ein Unternehmer sich verstohlen im kalten Dunklen einem Haus nähert, in dem seine (damals von ihm abgelehnte) ehemalige Geliebte und seine Tochter leben (und so ganz der Gesündeste ist er nicht und das Schuhwerk ist auch nicht unbedingt für diese Exkursion geeignet), dann tritt King doch schon näher heran im Duktus der Geschichte.

 

Vollends bei jener Feier dann im Buch, bei der Rainer, der Senior der Familie, das Ganze an Feier nur noch verschwommen, von wahllosen Erinnerungen durchzogen, wahrnimmt und ein Mann mit eher nicht winterlich geeignetem Schuhwerk das Haus betritt, erlebt der Leser die Fähigkeit Martensteins, die „andere, dunkle  Seite des Lebens“ fassbar in die Zeilen zu setzen.

 

Wobei in „Der Weihnachtsagent“ der Tonfall wieder ein anderer wird. Der kritische journalistische Blick Martensteins auf unsere ach so moderne Welt tritt spürbar in den Vordergrund. Weihnachten im Berlin der nahen Zukunft mit seinem „One-Christmas-Stand“ ist eine genaue Bobachtung dessen, was sich gesellschaftlich tut und mit wie leichter Hand die Allgemeinheit darüber eher (noch) hinweggeht.

 

„Also los, retten sie Weihnachten“, verbleibt so als Aufgabe auch an den Leser nach der Lektüre stehen. Nicht, dass doch noch Bernhard kommen muss.

 

Eine Sammlung sprachlich wunderbar gestalteter, dunkler bis unweihnachtlicher Geschichten, die, jede für sich, hintergründig nicht nur ein Auge für einen konkreten Aspekt des „weihnachtlichen Geistes“ öffnen.

 

M.Lehmann-Pape 2013