Pendo 2010
Pendo 2010

Harold Cobert - Ein Winter mit Baudelaire

 

Ein eindringlicher Roman - Ein Winter mit Baudelaire

"Ein Winter mit Baudelaire" von Harold Cobert ist ein sehr gefühlvoller, eindringlicher und unter die Haut gehender Roman. Das Buch hat 286 Seiten. Die kurz gehaltenen Kapitel haben prägnante Überschriften. Zum Schluss hin findet der Leser noch einen Dank vom Autor sowie seinen Hinweis auf Adressen von Hilfsorganisationen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Der Roman handelt vom sozialen Abstieg bis hin zur Obdachlosigkeit. Erschreckend stellt der Autor die Geschichte von Philippe dar, der in ein großes privates Loch gefallen ist. Je weiter er unten ankommt desto weniger interessieren sich seine Freunde für ihn, bis sie ihn gar nicht mehr sehen, sehen wollen. Das scheint am einfachsten. Cobert schildert auch die Mitmenschen auf der Straße, die an Philippe und auch an alle anderen nicht Sesshaften vorbei laufen, als hätten sie Scheuklappen um. Beim Lesen wird einem bewusst, das die Gesellschaft nicht mal mehr ein gesprochenes Wort für sie übrig hat.
Auch wenn es einige wenige gibt, die nicht mehr anders leben wollen, als "unter der Brücke" so braucht man noch lange nicht die Augen vor ihnen verschließen, das ist unter anderem die Botschaft. Ich hatte während des Lesens so manches Mal Tränen in den Augen, weil mich das Schicksal von Philippe und aller beschriebenen, inklusive Tiere, sehr getroffen hat.

Zum Inhalt:
Nach der Scheidung bricht die kleine Familie von Philippe auseinander. Er darf seine Tochter nur noch nach Vorschrift sehen, wenn überhaupt und kündigt seinen Job. Dadurch entfällt die monatliche Unterstützung. Vor seinen Freunden, Bekannten und Mitmenschen will er dies nicht wahr haben und verbraucht seine finanziellen Rücklagen. Er gerät in eine sich immer schneller drehende Spirale. Philippe, der Hauptprotagonist verliert so nach und nach den Zugang zum täglichen Leben. Er versucht durch betteln wenigstens zu einem Teil der täglichen Mahlzeiten zu kommen. Ganz unten angekommen gesellt sich ein Hund zu ihm. Dieser Hund, der Philippe dann in seiner größten Not, in seinem tristen Dasein auf der Straße "zur Seite" steht, heißt Baudelaire. Benannt nach dem französischen Schriftsteller und Lyriker Charles Baudelaire. Charles Baudelaires berühmtestes Werk heißt, Les Fleurs du Mal.
Durch diesen Hund bekommt Philippe wieder Zugang zu Welt und findet wahre Freunde, die ihm helfen wieder Fuß im Leben zu fassen. Ja, sogar helfen eine Arbeit zu finden und, was das schönste für Philippe ist, ihm dabei helfen, das er seine Tochter Claire, sein Prinzesschen, wieder regelmäßig sehen darf.

 

Petra Kloss 2010