C.H.Beck 2012
C.H.Beck 2012

J.J. Voskuil – ...Das Büro – Direktor Beerta

 

Und wie es alle Vorurteile bestätigt

 

Seit Jahren bereits unterhält der Niederländer J.J.. Voskuil sein Publikum mit seinem durchaus „opus magnum“ zu nennenden „Büroroman“, der durchaus auf eigene Erlebnisse und das eigene Leben zurückgeht.

Nun erscheint auf Deutsch der erste der sieben Bände des Romanzyklus und bietet auch der hiesigen Leserschaft einen Eindruck dieses sprachlich und in seiner Charakterisierung der handelnden Personen durchaus genau beobachteten Romans.

 

Eine gar nicht einmal satirisch daherkommende „Innenschau“ auf das Leben, den Alltag in einem eben kleinen „Büro“ in Amsterdam, in dem die Hauptperson des Romans, Maarten König, über einen Zeitraum von über 30 Jahren hinweg sein Dasein als Beamter fristet und den Leser teilhaben lässt an der „Sinnlosigkeit“ seiner Arbeit, dem täglichen Unbill mit seinen Untergebenen und den vielen Eigentümlichkeiten seiner Kollegen und der Besucher des Büros. Eine Innenschau, die für den Leser einen hohen Wiedererkennungswert hat in all den Sitzungen, dem Geplänkel, dem Bürotratsch und –klatsch, dem Neid, den Ellbogen, dem trüben die Tage dahin plätschern lassen.

 

Angeführt von Direktor Beerta, dessen vordringlichste Aufgabe bei weitem nicht solch merkwürdige Fragen wie Sinn oder Effizienz wären, sondern der sich vor allem müht, das Büro in den Augen derer, die es bezahlen, am Laufen zu halten. Der mehr oder minder sinnentleerte Projekte und Aufgaben erfindet und auf den Weg bringt. Vor allem der fast schon berüchtigte „Atlas der Volkskultur“ steht seit mehr als 20 Jahren an und ist dankbarer Lieferant für ständige kleine und kleinste Ergänzungen, die ja nun erledigt werden wollen.

 

„Van der Kasteele war Beigeordneter des Gemeinderats in Didam. Auf eigene Initiative hatte er dort bei den Bewohnern einer Wohnwagensiedlung und anderer Randexistenzen Erzählungen gesammelt und sucht dafür nun einen Verleger, wobei er in erster Linie an das Büro gedacht hatte“.

 

Das sind Impulse, die Beerta wunderbar aufzugreifen versteht im Sinne einer Daseinsberechtigung seines Büros, bei weitem aber nicht unbedingt bearbeitet sehen will. Wozu auch, wen würde das wirklich interessieren?

 

Wie Voskuil den Handlungsort anlegt, so setzt er seine Geschichte auch sprachlich um.

 

Trocken eher, sachlich, teilweise nüchtern, eine lebhafte Bildsprache ist seine Sache nicht. Gerade aber in diesem eher beschreibenden Stil und den vielfältigen „Zusammenstößen“ der vielen, vielen „Bewohner des Büros“ und dessen Besucher treten typische Persönlichkeiten in den Raum, die es Seite für Seite mehr zu entdecken gilt.

 

Ein öder Ort mit vordergründig eher blassen Gestalten, deren Eigenzentrierung und deren sinnlose Tätigkeiten Voskuil Seite für Seite beschreibt, nachvollzieht, den Leser mitten hinein nimmt in diesen Ort des eher „Nicht-Seins“. Kein Wunder, dass bei aller Trefflichkeit der Charakterisierungen und der genauen Beschreibung der Tätigkeiten der Leser doch Längen erlebt, manches Mal sich durch die Seiten kämpft, wenn es gar zu dröge wird. Wenn Seite um Seite immer wieder Alltag und nichts als leerer Alltag im „Dienst“ vor Augen geführt wird.

Während andererseits äußerst unterhaltsam alle Vorurteile gegen versumpfende Dienstreisen Nahrung erhalten und auch in Kleinigkeiten des Alltags sich ein munterer Erzählstrang entfaltet.

 

Ein Buch, indem sich lebendige Erzählphasen mit eher langatmigen Beschreibungen abwechseln und das durchaus im Gesamten Durchhaltevermögen vom Leser fordert. Bei dem die äußere Handlung meist nur „Beiwerk“ ist, um die diffizilen Charakterisierungen der Personen, deren Intrigen, deren Egozentrik und deren täglicher Versuch, einfach auch die Nase über Wasser zu halten den eigentlichen Inhalt ergeben. Durchaus treffend und lesenswert, wenn auch in Teilen sehr langatmig.

 

M. Lehmann-Pape 2012