Berlinverlag 2013
Berlinverlag 2013

Jacques Strauss – das Jahr meiner zweifelhaften Erlösung

 

Vom Verlust der Unschuld und der Verantwortung des eigenen Tuns

 

„Mit elf begann ich, vor meinen Freunden die Wörter „Mist“, „Scheiße“ und „verdammt“ zu benutzen, auch wenn sich keiner von uns an das Wort „Fuck“ herantraute, weil es zu derb war“.

 

Die Pubertät, mithin das erwachsene Leben also, klopft an bei Jack, der in durchaus guten Verhältnissen in Südafrika aufwächst, der halb Engländer, halb Bure in sich vereint, die verschiedenen Traditionen in der eigenen Familie auch mit ihren Reibungen erlebt und für den es normal ist, dass er und seine Freunde aus der Nachbarschaft „Personal“ haben. Vor allem eine „zweite Mutter“ (natürlich alles Schwarze), weil die eigenen Eltern den Beruf durchaus mit nach vorne stellen und man nu ebene einfach so lebt in diesem Südafrika vor allen gravierenden Veränderungen, durchaus aber bereits mit Vorboten beginnender Unruhen und Kämpfe gegen die Apartheid.

 

Susie ist Jacks „zweite Mutter“. Man ist sich zugetan, vertraut und doch spürt der Leser von Beginn an diese feine Grenze, dieses auch Wissen des Jungen, dass er „besser“ ist als Susie. Dass er eine noch unbekannte, aber spürbare Macht besitzt. Noch ist er zu sehr einfach vertrauensvolles Kind in seiner kindlichen Welt (in der die Masturbation aber schon drängend Einzug gehalten hat), um böswillig vorzugehen.

 

Aber als er unter Druck gerät, zeigt sich die „Tradition“, das „Erbe“ mit bösen Folgen. Folgen, die Jack selbst in innere Reibung treiben, die schwer auf ihm lasten.

 

Susie hat einen Sohn, der eigentlich beim Vater leben soll, was aber nicht funktioniert. Ein Jugendlicher bereits. Aggressiv. Der will sich nichts mehr vormachen lassen von einer vermeintlich trauten und heilen Welt, die nur für weiße Erwachsene als Illusion existiert. Von Beginn an knistert es zwischen Percy und Jack, bis Percy etwas in die Hände fällt. Ein Wissen über Jack. Das Jack beunruhigt und ihn zu einem Verrat an seiner „zweiten Mutter“ Susie treibt. Mit massiven Folgen. Zunächst nicht für ihn, sondern für Percy und Susie

 

Im eigentlichem Sinne legt Strauss somit einen Entwicklungsroman auf der bekannten Blaupause zwischen Kind und erwachsen werden vor. Wo die unbedarfte und spielerische Unschuld spürbar noch im Raum stehen, aber der eigene Körper, das eigene Wollen ebenso fühlbar sich Wege sucht. Dies in Verbindung mit einem starken gesellschaftlichen Machtgefälle, wo erwachsene Menschen (Schwarze) letztlich gar Kindern (weißen) machtlos gegenüber stehen, dass ist die brisante Mischung, die in diesem Roman zur Eskalation und zum harten Erlernen dessen führen wird, dass ein erwachsen werdendes Leben auch Verantwortung für das eigene Handeln lernen muss.

 

Zudem bietet der Roman eine Rückkehr in das Südafrika vor den hart erkämpften politischen Veränderungen und zeigt, wie sehr das gewohnte Leben und das konkrete Aufwachsen Denken und Handlungen prägen.

 

Auch wenn die Geschichte über weite Strecken sehr harmlos daherkommt, eine kindliche Welt treffend darstellt, liest sich der Roman im Gesamten gut und lässt auch den Leser hier und da zur eigenen Reflexion des eigenen Verhaltens anderen gegenüber innehalten.

 

M.Lehmann-Pape 2013