S.Fischer 2012
S.Fischer 2012

Jeffrey Archer – Berg der Legenden

 

Biographischer Roman

 

Der Titel dieses neuen Romans von Jeffrey Archer täuscht über den Inhalt des Buches durchaus. Nicht der Mount Everest steht im Mittelpunkt seiner Geschichte (auch wenn der Berg eine „tragende (und tragische) Rolle“) im Buch einnehmen wird, sondern „Berg der Legenden“ ist eine Romanbiographie über den (möglichen? vermeintlichen?) Erstbesteiger des höchsten Berges der Erde, George Mallory. Einen der bekanntesten, talentiertesten und mit zähesten Bergsteiger der Geschichte Englands.

 

Von Kindheit an erzählt Archer in einfacher, gradliniger Sprache das Leben Mallorys. Die (armen) Kindertage im Pfarrhaus, den Kampf um Aufnahme in Cambridge, der Beginn des Studiums und die Annäherung an seinen Mentor in Fragen des Bergsteigens, Geoffrey Young. Wobei er zugleich in George Ingle Finch einen ähnlich talentierten jungen Bergsteiger kennenlernte, mit dem ihn einerseits ein Vertrauens- anderseits aber auch ein ausgesprochenes Konkurrenzverhältnis verband (was im Buch gut herausgearbeitet wird).

 

Neben der Leidenschaft für das Bergsteigen hatten es übrigens durchaus  jede Art von Höhen dem jungen Mallory angetan, wie seine Verhältnis zum Eifelturm unter anderem aufzeigt. Zentral im Buch aber ist letztlich das große Ziel, auf das dieses Leben Mallorys und der beteiligten Personen hinausläuft. Die Erstbesteigung des Mount Everest.

Im Rahmen dieser Geschichte handelt Archer zudem die grundlegende Frage des Bergsteigens der damaligem Zeit mit ab. „Amateur oder Profi“ ist die Frage. Nur mit Manneskraft oder doch mit Sauerstoff, sprich bestmöglicher technischer Ausrüstung, wie Finch es massiv einfordert?

 

1922 erfolgt die erste Expedition zum Everest, die im Drama endet und manche der Gruppe mehr kostet als ein halbes Ohr oder den ein oder andern Finger. 1924 erfolgt für Mallory (der nach den Erfahrungen von 1922 nie mehr an den Everest zurück wollte), dann doch die zweite Expedition. Mit den besten Wünschen seiner Frau und seiner Kinder macht er sich „professionell“ auf, den Berg zu bezwingen.

 

In einer Mischung aus Fiktion und Fakten erzeugt Jeffrey Archer durchaus in Teilen des Romans eine dichte und intensive Atmosphäre zwischen Mensch und urwüchsiger Natur. Gerade in den Schilderungen der beiden Expeditionen zum  Everest wird deutlich, wie schwierig die Umstände am Berg sind und es steigt die Achtung, mit welch vorsintflutlich anmutender Ausrüstung die Männer damals ihr Unterfangen gewagt haben. Auch die Motive lässt Archer in den Raum treten, diesen unbändigen Willen nach „neuen Ufern der Entdeckungen“. Nicht immer hält das sprachliche Vermögen  allerdings mit den geschilderten Situationen mit. Die existenziellen Emotionen in den geschilderten Extremsituationen, die Lawinen, die Gefahr, die Tode, all dies schreibt Archer ein stückweit zu nüchtern. Zu wenig gelingt es manches Mal, diese Emotionen wirklich zum Leser zu transportieren.

 

„Berg der Legenden“ ist ein gut zu lesendes und informatives Buch über das Leben George Mallorys, über dessen wohl untadeligem „britischen“ Charakter und seine Leidenschaft und Begabung für das Bergsteigen. Hier und da ein wenig zu oberflächlich in der Emotionalität und daher nicht der möglichen Spannung genügend. Alles in allem aber eine gelungene Darstellung der äußeren Abläufe dieses eindrucksvollen Lebens.

 

M.Lehmann-Pape 2012