dtv 2012
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Jennifer Brown – Bitter Love

 

Das Thema von Gewalt im Gewand eines College Romans

 

In Stil und Form bietet Jennifer Brown in durchaus munterer Sprache zunächst einen Roman, der wie eine klassische amerikanische Popcorn-College-Erzählung daherkommt.

Einen Roman eher für heranwachsende Mädchen vor allem, vorweg gesagt, die ihre ersten Verliebtheiten erleben.

Denn schon bald tritt das hintergründig wichtige Thema der psychologisch interessierten und durchaus auch versierten Autorin stärker in den Raum.

 

Alex, die Hauptperson, ist nicht unbedingt der Mittelpunkt des geselligen Lebens am College. Alex schreibt lieber Gedichte und hat durchaus auch schon einen Preis gewonnen. Zusammen mit ihrem besten Freund Zack und ihrer besten Freundin Bethany schmiedet sie zudem Pläne für eine Reise nach Colorado. Ihre Mutter hatte einen tödlichen Unfall und ihre letzten Worte, waren, dass sie dringend auf einem Berg in Colorado zu sich selber finden müsse. Das lässt Alex nicht mehr los, hier ist ihre Seele wie aufgeraut und lässt keine Ruhe.

 

Doch mitten in die Pläne der Reise hinein wird sie einem neuen Schüler als Tutorin zugeteilt.

Cole ist anders. Feinfühlig wirkt er, interessiert an ihren Gedichten. Charisma besitzt er und eine weitere Verbindung gibt es. Auch seine häuslichen Verhältnisse sind alles andere als erbaulich, auch er flieht oft und oft die bedrängende Situation in seiner Familie.

 

Es kommt, wie es kommt in diesem (und vielleicht jedem) Alter. Cole und Alex kommen zusammen und Alex schwebt auf Wolken. Ihre besten Freunde treten in den Hintergrund, mit Haut und Haaren lässt sie sich auf Cole ein. Was ein Fehler sein dürfte. Denn Cole hat noch ganz andere Seiten in sich.

 

Rasende Eifersucht. Ein Verlust an Kontrolle, der unter der Oberfläche schwelt. Und plötzlich auch ausbricht. Zunächst ist es nur ein verletztes Handgelenk, als er Alex hart anfasst. Sie ist sein, kein anderer darf echte Bedeutung für Alex haben. Das ist das eine. Und eine  schwelende Wut auf sich und die Welt das andere. Unter Tränen wird sich versöhnt, doch der nächste Ausbruch wird kommen und härter werden.

 

Mit spürbarer Feinfühligkeit wendet sich Jennifer dem inneren Erleben ihrer Protagonistin Alex zu. Der Liebe, die da ist, der Irritation, die entsteht, der Angst, die aufkommt und doch eben auch des immer wieder in den Raum tretenden Gefühls des Verliebtseins und des wieder Nachgebens. Unverständlich für den Außenstehenden und doch von Jennifer Brown nachvollziehbar im inneren Erleben des Mädchens geschildert.

 

Was passiert mit und in einer Frau, wenn sie in ihrer Beziehung misshandelt wird? Welche Warnzeichen sollten gerade junge Frauen unbedingt kennen? Wie kann das sein, das trotz erlebter Gewalt kein Strich gezogen wird, gezogen werden kann?

 

„Wir lieben, und weil wir das tun, werden alle Satzanfänge mit „ich würde niemals....“ zu einer unzuverlässigen Vorhersage“.

In dieser Hinsicht bietet Jennifer Brown ein wichtiges Thema gerade für Mädchen junge Frauen im Sinne eines „wehret den Anfängen“ und zeigt im Anhang einige Möglichkeiten auch auf, sich selber deutlicher und besser zu schützen. Auch vor den eigenen Gefühlen.

Ein nicht literarisch, aber vom Thema her wichtiges und gelungenes Buch.

 

M.Lehmann-Pape 2012