Knaur 2011
Knaur 2011

Joanne Fedler – Heisshunger

 

Weniger ist tatsächlich mehr

 

Zwei gesunde Schwangerschaften, eine Auswanderung von Südafrika nach Australien aufgrund der gewaltbereiten Lage in der Heimat Südafrika, der Gang auch in finanzielle Unsicherheiten hinein, all dies hat dazu geführt, dass das Erschrecken Joanne Fedlers über ein Foto im Badeanzug schockartig dazu führte, das Foto zerreißen zu müssen und umgehend für teures Geld eine Ernährungsberaterin zu engagieren.

 

Dies aber ist, bei allem Humor und frischer Sprache mitsamt hoher Selbstironie, einer Vielzahl komischer Situationen und Beschreibungen von Kämpfen gegen den Hunger, nur die Spitze des Eisbergs im Buch.

 

Denn eigentlich verpackt Joanne Fedler in diese Geschichte ihres Abnehmens hinein grundlegende Lebenserfahrungen, die ihr dieser Weg beschieden hat.

Entscheidende Hinweise und markante Sätze, die die Quintessenz dieser Erfahrungen beleuchten,  finden sich bereits zu Anfang des Buches. So ihre feste Überzeugung, dass, wenn ein Mensch immer den gleichen Fehler macht, er solange, bis er damit aufhört, vom Universum (oder wem auch immer) Gelegenheiten eröffnet bekommt, die notwendigen Lektionen zur inneren Entwicklung zu lernen.

 

So erweitert Fedler das Thema des Buches durchaus spürbar über das konkrete Ansinnen des Abnehmens hinaus, in das umfassende Thema des „Los-Lassens“ hinein. Es entsteht eine Geschichte über den Verlust im allgemeinen, der Sinnfragen des Lebens mit in den Raum stellt, die die Autorin selbst beim Angehen ihrer Gewichtsreduzierung nie vermutet hätte.

 

Dass ihre selbstgemachte Blindheit ihrem Gewicht gegenüber viel damit zu tun hat, dass sie Dinge im Leben nicht verlieren will und dass der Verzicht auf Gewohnheiten und liebgewonnene Abläufe (selbst auf schädliche und der Gesundheit abträgliche) ein solcher nicht hinnehmbarer Verlust bereits wäre, das führt die Autorin auf ihrem Weg immer deutlicher zu den Fragen, wie sie mit Verlustmomenten im allgemeinen umgeht und wie sehr Verluste letztendlich auch Teil eines dynamischen und sich entwickelnden Lebens zu sein haben.

 

Bei all diesen sehr grundlegenden und oft auch ernsten Anklängen verliert Joanne Fedler allerdings zum Glück nie ihre lockere Sprache, ihr Augenzwinkern und die Möglichkeit, über sich selbst zu Lachen.

 

So nimmt sie den Leser mit auf vergnügliche und unterhaltsame Reise, vordergründig über das Schankwerden, hintergründig aber auf eine Reise mitten in das Leben und seine tieferen Strömungen hinein. Eine unterhaltsame Lektüre, durchaus mit Tiefgang, wo es um grundsätzliche Fragen des Lebens geht.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Joanne Fedler

 

Joanne Fedler studierte Jura und engagierte sich in ihrer Heimat Südafrika für Frauenrechte. Sie emigrierte mit ihrer Familie nach Australien, wo sie heute noch lebt. Neben Sachbüchern schrieb Joanne Fedler mehrere erfolgreiche Romane.

 

(Quelle: Droemer-Knaur Verlag)