Hoffmann und Campe 2013
Hoffmann und Campe 2013

Julia Stagg – Madame Josette oder ein Dorf trumpft auf

 

Charmant und überzeugend

 

Überzeugende Figuren, die auch in ihrem Zusammenspiel für ein fundiertes Geflecht sorgen (und hier und da zum Schmunzeln einladen und dazu ein Ort, ein französisches Dorf, dessen Atmosphäre Julia Stagg ebenso überzeugend dem Leser durch die Seiten des Buches nahebringt.

 

Wie im Vorgängerroman gelingt es Stagg auch in diesem Buch leicht, den Leser in diese Welt mit hineinzunehmen und die einzelnen Fäden der Geschichte und Geschichten mit Freude zu verfolgen.

 

Josette, Inhaberin der Epicerie, Witwe. Und doch nicht ganz Witwe, denn Jaques, ihr verstorbener Mann, ist als Geist je noch da. Meist in seiner Lieblingsecke am Kamin. Etwas frustriert, weil er in die materielle Welt nicht mehr so eingreifen kann, wie er es manches Mal gerne täte. Wie er auch seinen geliebten, knapp vor seinem Tod neu erworbenen Peugeot nicht mehr fahren kann (rot, ein „Lutscher von einem Auto“. Gesehen wird er nur von Josette und von Chloe, der jungen Tochter Stephanies.

 

Und eingreifen würde er schon gerne wollen, als sein Neffe wieder im Dorf erscheint. Fabian, erfolgreicher Finanzmakler. Als Kind noch der Liebling von Josette und Jaques, doch im Lauf der Jahre sehr von ihnen entfremdet. Das französische Erbrecht aber macht ihm zum Mitbesitzer der Epicerie und mit Feuereifer nun vor Ort und mit Umbauplänen gefüllt bis an den Rand. So er nicht auf seinem Luxusrennrad sitzt und seine Bergzeiten verbessern will.

 

Da ist Aufregung vorprogrammiert. Zu Beginn wird Fabian umgehend mit einem Einbrecher verwechselt und von Stephanie mit einem alten Baguette niedergestreckt. Zerstört im Folgenden das „Heiligtum“ Jaques, eine alte Messervitrine, geht jedem auf den Nerv und bekommt seinerseits gar nicht mit, dass nicht alle Bewohner des Dorfes ein charmantes und leichtes Leben leben.

Uneingestandene Gefühle spielen ihre Rolle. Chloe findet Fabian entzückend, Fabian wird Stephanie noch zu schätzen lernen, Stephanie hat gerade im Internet eine Bekanntschaft gemacht und harrt ungeduldig des ersten Treffens, während Veronique sich danach sehnt, zu erfahren, wer ihr Vater ist, ihre Mutter Annie aber in dieser Frage immer schon auf stur geschaltet hat, Das Verhältnis beider steht an sich schon nicht zum Besten, da entzweit diese offene Frage noch mehr.

 

Als dann auch noch ein merkwürdiger, grüner Kastenwagen im Dorf auftaucht und Stephanie erleben muss, wie das Werk ihrer Hände ein- um andere Mal sabotiert wird (und natürlich jenen Tölpel Fabian umgehend verdächtigt), da nehmen die Ereignisse Tempo und Fahrt auf. Wobei Stagg ganz hervorragend auf dem schmalen Grad zwischen Komödie und Spannung balanciert, die Ereignisse um den Lieferwagen setzt sie gefahrvoll und bedrohend in den Roman, ohne hier durch Humor oder Ironie etwas vom Ernst der Lage hinweg zu nehmen.

 

Differenzierte und in sich überzeugende Figuren, Querverbindungen untereinander und eine dynamische Entwicklung der Beziehungen tragen auch diesen zweiten Roman in und um das südfranzösisch kleine Dorf herum. Gemeinsam wird man den Gefahren trotzen. Mit einer Prise Gefahr und Spannung bietet der Roman eine unterhaltsame und anregende Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2013