S.Fischer 2011
S.Fischer 2011

Kamran Pasha – Die Schwerter von Jerusalem

 

Glaubenskrieg 1189

 

Eine vielerzählte Geschichte erzählt Pasha mit „Die Schwerter von Jerusalem“ aufs neue. Klingende Namen wie Richard Löwenherz und Sala ad Din (Saladin) bilden die Hauptfiguren der gut 500 Seiten des Buches, bei weitem aber nicht die einzigen Protagonisten.

 

Ein Buch, in dem Pasha schon auf den ersten Zeilen verdeutlicht, dass hier aus der Sicht des Morgenlandes erzählt wird, dass Rittertum und Edelmut ebenso wie innere Stärke, aber auch Härte nicht in erster Linie „dem Westen“ zuzuordnen waren, damals zu Zeiten der Kreuzzüge, sondern eher im „Osten“ anzutreffen waren. Ein Roman, kein geschichtliches Werk, wie man deutlich an den vielen fiktiven Personen erkennt und den eher romanhaft gestalteten Beziehungsgeflechten. In den Fakten stimmig ist dieser Roman nur im Groben.

 

Saladin ist ein Mann von untadeligem Charakter und weitem Herzen, der als Feldherr und Eroberer Jerusalems durchaus auch gnadenlos zuzuschlagen versteht. Berechtigt, findet man emotional allein schon in der ersten Begebenheit ein, in der ein kleines Mädchen Schändung der Mutter, Miedermetzelung der Eltern und eigene Vergewaltigung ertragen muss. Geschehen durch die sich so dem Ideal verschworenen christlichen Ritter. Franken, die wir Tiere im Orient wüteten und deren Niederlage allseits bejubelt wird. Ein Wüten, dass eben Saladin nicht erwidert, nicht blindlings Rache nimmt an der christlichen Bevölkerung.

 

Bei weitem nun aber auch nicht schwarz weiß zeichnet Pasha seine Figuren. Sehr differenzieret gelingt es ihm, einerseits den Bruder Saladins auf moslemischer und den Bruder Richards auf christlicher Seite in ihren rein egozentrischen Charakteren darzustellen. Auch Richard Löwenherz selbst ist bei Pasha nicht der strahlende und reine Held, als der in abendländischer Literatur lange Zeit auch geschildert wurde. Stur und hochfahren durchaus, aber mit einem Kern, der lernen könnte. Auch an Saladin. Falls er sich nicht selbst dauerhaft im Wege stehen wird. Was gut passieren könnte.

 

Denn beide werden, wenn auch lange nicht direkt, zusammentreffen im heiligen Land. Richard als der, der seinen Vater und damit den englischen Thron mit hineinzieht in den Kreuzzug von 1189, Saladin, der es als hehre Aufgabe angenommen hat, sein Volk innerlich zu einen und ihm Frieden zu bieten.

 

Anhand des kleinen, jüdischen Mädchens des Beginns, die inzwischen zu jungen Frau herangereift ist, stellt Pasha eine innere Verbindung zwischen Orient und Okzident her. Richard und Saladin wenden sich der jungen Frau zu, die als Jüdin zwischen Christen und Moslems steht, die ob ihrer traumatischen Erlebnisse innerlich ihrem Verstand folgt und nicht mehr religiös sich gebunden fühlt. Bleiben beide im Kampf und der Liebe erbitterte Konkurrenten oder sind andere Entwicklungen möglich?

 

Eine durchaus interessante und anregende Perspektive, aus der heraus Pasha sein neues Buch erzählt. In der Sprache, ein kleiner Wehrmutstropfen, kommt allerdings in Teilen eine doch altbacken wirkende Bildersprache zum Tragen, die manches Mal zu kitschig und pathetisch sich darstellt. Pferdemähnen, die „gülden durchzogen“ sind, „im Wind flatterndes ebenholzschwarzes Haar“, „Männer und Frauen von hoher Geburt mit grausamen Herzen“ und vieles mehr zeugen von einer Bildsprache, die einfach manches Mal zu platt in den Raum geworfen wird. Dies trübt den ansonsten gut zu lesenden Roman allerdings nur am Rande.

 

Aus anderer, nicht gewohnter Perspektive heraus beschreibt Kamran Pasha die Ereignisse des Kreuzzuges von 1189 um seine beiden Hauptfiguren Richard Löwenherz und Sultan Saladin herum in lebhafter Atmosphäre und mit durchaus differenziert dargestellten Figuren. Flüssig und anregend zu lesen, in Teilen sprachlich zu simpel umgesetzt mit einem besondern Augenmerk auf die orientalische Sicht der Dinge.

 

M.Lehmann-Pape 2011