Griot 2014
Griot 2014

Katharina Behrendt – dertraumpartner.de

 

Trifft auf den Punkt

 

Wie eine Umfrage letztens offenbarte, ist es in Deutschland zumindest immer noch mit ein wenig Peinlichkeit verbunden, zuzugeben, dass man entweder aktiv Online auf der Suche nach einem Partner sich befindet, oder eben der aktuelle Partner online gefunden wurde.

 

Diese Grundfrage nach „Statthaftigkeit“ bei Millionen von auf Partnerbörsen angemeldeten Usern stellt sich in der Praxis allerdings nicht, dort ist die Online-Partnersuche bereits aktuell Gang und Gäbe und verzeichnet hohe Zuwachsraten.

 

So stellt sich Katharina Behrendt in ihrem Roman mit Recht auch gar nicht solchen Fragen nach der „Berechtigung“, sondern führt den Leser klug und mit präziser Beobachtungsgabe mitten hinein in das „Online-Dating“ Leben.

 

Nicht nur mit allem, was es da an Erfahrungen (aus Frauensicht) an „offenen Sandalen im Winter“ und sonstigere mangelnder Attraktivität zu erleben gibt, ebenso bildet sie im Buch in ihren einzelnen Kapiteln auch all andern „Typen“ von Suchenden ab.

Die attraktiven Männer, die „nebenbei“ mal wollen, ohne das zu sagen, das da noch jemand wäre.

 

Daneben durchaus attraktive Männer, die sich nicht binden möchten und online auf ein breites Reservoir an Angeboten schnell zugreifen können und daher ebenso schnell die konkrete aktuelle Bekanntschaft dran geben, es wartet ja genügend „Frischfleisch“, da will man sich doch keine tieferen Verbindungen aufhalsen.

Oder auch jene, die beim geringsten „nicht Fluppen“ der Situation, bei vielleicht Zurückhaltung am ersten oder zweiten Abend sich einfach nicht mehr melden.

Wobei auch jene, die ihren „Abschied“ in ellenlagen Worte fassen da auch nicht viel mehr an Freude bringen.

 

Schon alles nicht einfach für Melanie, 48, suchend. Wobei Behrendt es übrigens nicht versäumt, unaufdringlich auch diese „Suche an sich“ zu thematisieren (im Buch durch Gespräche mit Freundinnen und hier und da eine „Innenschau“ der Protagonistin).

 

So ergibt sich ein stimmiges Gesamtbild des unfreiwilligen Singlelebens, des „bequemen“ Griffs zur Tastatur, der vielfachen Überlegungen und der kleinen bis größeren Schummeleien bei der Selbstdarstellung („Wenn Ihnen jemand in den Blick fällt, der George Clooney ähnelt…“ (es kommen übrigens die erwähnten Sandalen ohne jede Ähnlichkeit mit George)), der Grundfragen des Lebens alleine mit der Betonung der Vorteile („Mein Mann verwuchs mit dem Sofa“, gut, dass er weg ist) und der Nachteile (diese unbestimmbare Gefühl samt Sehnsucht nach Zweisamkeit).

 

Wer bis dato noch nicht mit diesem Bereich der Partnersuche zu tun hatte, wird einen realen, klaren Einblick darin im Buch finden, wer sich hier und da vielleicht selbst schon onlinde gedatet hat, erlebt einen hohen Wiedererkennungswert.

 

Im Stil eher nüchtern beschreibend wird im Lauf der Lektüre dann gerade im zweiten Teil deutlicher, dass natürlich auch die Fragen der „Methode der Partnersuche“ nur Symptome dessen sind, wie man zu sich selber steht. Die Aufgabe, sich selbst zu finden, kann nicht online bequem gelöst werden, wie auch Melanie erfahren wird.

 

Mit einigen Längen hier und da, wenn zu sehr auf die Geschichten mancher potentieller Kandidaten eingegangen wird (die aufgedonnerte Blondine und der Porsche-Fahrer) oder Melanie zu häufig über sich selbst reflektiert, manchmal im Ton zu kühl, insgesamt aber eine anregende und treffende Lektüre.

 

 

Gerade auch da, wo durch die Figur des alten Bonvivant „Gerhard von Laufenberg“ der Blick sich auf jene Zeiten vor nicht allzu langer Zeit richtet, in denen es außer dem „echten „ Genuss-Erleben wenig Alternativen gab.

 

M.Lehmann-Pape 2014