btb 2014
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Katarina Bivald – Ein Buchladen zum Verlieben

 

Die Liebe zu Büchern

 

Sara hatte nie geglaubt, man müsse sich persönlich kennen, um befreundet zu sein“.

 

Wenn das mal nicht ein Fehler war, sich auf eine schriftliche Freundschaft einzulassen, dazu mit einer 40 Jahre älteren Person aus der der Provinz, auf einem anderen Kontinent  und das Ganze eigentlich ausschließlich darauf beruhen zu lassen, dass man gemeinsam Bücher liebt.

 

Broken Wheel heißt der amerikanische Ort im Buch und Sara aus Schweden macht sich auf,  um bei ihrer Briefreundin Amy Urlaub zu verbringen.

 

Doch zu all dem kommt es nicht wirklich, denn als Sara in dem verschlafenen Ort eintrifft, ist Amy gerade gestorben und Sara trifft auf eine verschworene, in ihren einzelnen Bewohnern allerdings auch offensichtlich verschrobene Dorfgemeinschaft. Die sie allerdings ohne weitere Federlesen in ihrer Mitte aufnimmt.

 

Was also liegt näher, diese beginnenden Beziehungen und Freundschaften zu vertiefen, seine Dankbarkeit zu erweisen? Und für Sara liegt eben am Nächsten, ihre Leidenschaft und Liebe zum Lesen mit den Dörflern zu teilen.

 

Sie eröffnet einen Buchladen, den sie von Beginn an mit persönlicher und unkonventioneller Note versieht. Schnell rücken die einander eigentlich so fremd und anders lebenden „Parteien“ zusammen. Die Bewohner entdecken das Lesen, die Tiefe der Geschichten, lassen sich von Saras Begeisterung anstecken, während Sara auf der anderen Seite mehr und mehr die Augen öffnet (und geöffnet bekommt) für das „wahre Leben“, das Leben außerhalb der Bücher, der Romane, der Geschichten, die für Sara auch einen Schutzwall darstellen gegenüber der wirklichen Welt.

 

Wie aber kann aus diesem Urlaub, dieser kleinen Etappe im Leben etwas Dauerhaftes werden? Ein Plan entsteht, der nicht ganz ohne Tücken ist.

 

Vor allem die liebevolle Beschreibung der Personen ist es, die den Leser von Beginn an fesselt. Die kleinen Eigenheiten im Dorf, die kluge, aber etwas lebensferne Sara, die immer wieder emotional treffende Schilderung der Atmosphäre an diesem abseitigen Ort, die Entwicklungen, die (nicht nur, aber gerade) Sara mehr und mehr in das „echte“ Leben führen, ohne die Literatur hintenanzustellen. Und Amy, die der Leser schrittweise in Rückblicken kennen lernt und die ihm dabei regelrecht ans Herz wächst.

 

Ein Buch, dass zeigt, was Menschen auf tieferer Ebene miteinander in Verbindung setzt und wie die Literatur, die „Geschichten in Büchern“ die Seele aufzuschließen vermögen.

 

Dem Thema entsprechend hat Bivald ihre Geschichte mit Ruhe und mit Bedacht verfasst, in manchen Teilend es Buches vielleicht mit zu viel Ruhe und Bedachtsamkeit. Phasenweise schleppt sich das Tempo doch sehr dahin und erst langsam, zum Ende hin, schließen sich die Dinge zusammen, werden die Beziehungen griffiger und zeigt sich der Grund für so manch mürrische Haltung bei dem ein oder der anderen.

 

„Aber sie wusste auch, dass die Stadt jemanden brauchten der die Lage im Griff behielt und allen half, jemanden, der wusste, was richtig war und jemanden der wusste, was gut war. Solange Amy lebte, hatte dieses System funktioniert“.

 

Wird Sara diese Lücke füllen können? Werden die Bewohner sie soweit annehmen, um das zuzulassen?

 

 

Eine ruhige, durchaus tieferreichende Lektüre, die manche Längen allerdings nicht vermeidet.

 

M.Lehmann-Pape 2014