C.Bertelsmann 2012
C.Bertelsmann 2012

Katherine Pancol – Der langsame Walzer der Schildkröte

 

Josephine zum Zweiten

 

In epischer Breite von fast 670 Seiten legt Katherine Pancol nun die Fortsetzung der Geschichte Josephines, die mit „die gelben Augen der Krokodile“ begann, vor.

Eine Fortsetzung, die in Stil und Form genauso „luftig“ sich darstellt, wie es Katherine Pancol bereits im Vorgängerbuch gelungen war. Wobei sich nun die Geschichte durchaus in mehrerer Hinsicht in die Breite zieht, andere Perspektiven hinzutreten und ihren Raum erhalten.

 

Zu allem anderen an Irrungen und Wirrungen, könnte man sagen. Denn nicht nur ist Josephine ja zu Ruhm (und durchaus auch Wohlstand) als Autorin gelangt. Das Verhältnis zu ihrer Schwester ist immer noch belastet, wie das ganze Leben der Schwester, denn letztlich sollte der Überraschungserfolg an Buch ja nicht ihr, sondern ihre Schwester Iris dienen.

Was, wie bekannt, gründlich daneben ging.

Mit dem Ehemann läuft es auch nicht gut, kann man sagen, nicht mit ihm und nicht für ihn, soweit seien die auch dramatischen Ereignisse erwähnt. Das ein Geliebter das Leben verschönt, hilft Josephine zwar hier und da durchaus und könnte das Leben angenehm gestalten, wenn da nicht diese unkontrollierbaren Gefühle für ihren Schwager wären.

 

Nicht nur diese wollen im Griff gehalten werden, nebenbei entpuppt sich auch die neue Nachbarschaft am gutsituierten neuen Wohnort Josephines nicht nur als teilweise sehr eigentümlich, sondern auch noch als gemeingefährlich. Einige Todesfälle scheinen darauf hinzuweisen, dass zumindest eine oder einer der neuen Mitbewohner im Haus dunkle Seiten verbergen.

 

Neben all diesen Ereignissen um Josephine herum verfolgt Katherine Pancol zudem noch Perspektiven auf Josephines Töchter und ihre Schwester im Buch. Hortense lebt und lernt in London, auch dort finden Entwicklungen statt. Ebenso, wie die jüngere Tochter Zoe sich natürlich zurecht finden muss am neuen Ort im „neuen Leben“ und einfach flügge wird.

 

Breit erzählt Katherine Pancol und langsam, ohne dabei zu langweilen. Sie nimmt sich Zeit für ihre Personen, für teils auch überzogene Situationen, die es zu bestehen gilt und Marotten, die alle Beteiligten in sich tragen und am gegebenen Ort auch offen zeigen. Sie nimmt sich Zeit, um die Beziehungen zwischen all den Personen sich entwickeln zu lassen und diese immer wieder durchaus treffend und genau zu beschreiben. Im flüssigen, lockeren Stil, oft mit ironischem Zungenschlag und teils lakonischer Verzweiflung. Gerade Josephine, die doch nichts anderes will als freundlich zu allen in einigermaßen passender Harmonie zurecht zu kommen, scheitert oft eben an den Unsitten und Eigensinnigkeiten ihrer lieben Mitmenschen.

 

„Und diesmal laufe ich zwei Runden um den See, um den Pesthauch dieser grauenvollen Versammlung loszuwerden“, geht in ihr vor nach einer der ausgiebigen und unterschwellig bösartigen Eigentümerversammlungen im neuen Haus.

 

So vergeht Seite um Seite wie im Flug. Natürlich erklärt Katherine Pancol das Leben nicht neu und bietet auch im Stil nicht unbedingt Hochliteratur, aber unterhaltsam ist das Leben Josephines durchaus und ein Aufruf zum Verweilen, zum ruhig werden und sich Zeit nehmen für einen ausführlichen Familienroman in einer sich schnell drehenden Welt. Wie ebenso einen amüsanten, teils aber auch bitteren Blick auf eine Welt, in der einfache, harmonische und tragfähige Beziehungen nicht einfach zu finden und zu leben sind.

 

M.Lehmann-Pape 2012