btb 2011
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Kathryn Stockett – Gute Geister

 

Mut zur Freiheit

 

Schwarz und Weiß, auch heutzutage ist dies, gerade in Amerika, kein unbelastetes oder einfaches Thema. Vorweniger zu Beginn der 60er Jahre, in denen Kathryn Stockett ihre Geschichte ansiedelt. Eine Geschichte, in der es vordergründig um Schwarz und Weiß im Süden der USA, in Jacksonville, Mississippi. Dahinter aber verbirgt sich zum einen eine  Momentaufnahme der Zeit und der Hoffnungen der Menschen jener Jahre, deutlich erkennbar in der Sequenz, in der die Reaktionen des Landes auf die Ermordung John F. Kennedys beschrieben werden und die Welt, die im Aufbruch wirkte, wie gelähmt zurücksinkt („Das Attentat...... hat die Welt verstummen lassen“!).

Und zu guter Letzt ist Stocketts Buch ein anrührendes und tiefgehendes Plädoyer für den Mut zur Freiheit, die Kraft, sich zu wehren und die eigene Stimme hören zu lassen.

 

Eine Geschichte, die Kathryn Stockett vermittels der Erzählung aus drei Perspektiven jeweils als Ich-Erzählung anlegt. Aibileen und Minny sind schwarz, Hausangestellte, „gute Geister“ eben, in ihrer Wahrnehmung und im Verhalten ihnen gegenüber als wenig mehr angesehen als zu Sklavenzeiten, die Rassentrennung ist noch in vollem Gange und gehört zum Selbstverständnis, nicht nur der situierten weißen Bevölkerung Amerikas, jener Tage.

 

Ein Teil dieser weißen, situierten Welt ist Miss Skeeter, die eigentliche Hauptperson des Buches. Getragen von dem Wunsch, als Schriftstellerin ihren Weg zu machen.

Sie wählt, gut behütet auf der Farm der Eltern lebend und mit Zugang zu den gewichtigen Kreisen der Stadt, ein provozierendes Thema. Über das Leben schwarzer Hausangestellter will sie schreiben.

Es braucht nun einiges an Vertrauen und Überredungskunst, bis es ihr gelingt, bei Abileen, Minny und einigen ihrer Freundinnen die Bereitschaft zu erwecken, ihre Geschichten zu erzählen. Auch wenn der alltägliche Umgang untereinander durch die intime Nähe der Dienstboten zur Familie geprägt ist, es klaffen Abgründe und tiefe Täler zwischen den Welten, die nur langsam überwunden werden können. Gräben, die durch ein völliges Ausgeliefertsein der schwarzen Bediensteten an ihre Arbeitgeber geprägt ist. Nicht nur eine Arbeitsstelle, das ganze Leben, die kärglichen Wohnungen und das Auskommen der eigenen Familie stehen auf dem Spiel, wenn man es sich mit den weißen Hausherren verscherzt hat. Eine Erfahrung, welche die nassforsche Minny gerade erleben muss.

 

Zustände, Zeiten, Umgangsformen, die (zum Glück) heute unvorstellbar sind. Und doch, steht nicht immer irgendwo auf der Welt eine Migrantenproblematik auf der Tagesordnung? Wird nicht immer an irgendeinem Ort die Freiheit mit Füßen getreten und Menschen mit Gewalt „unten gehalten“?

 

Mit hoher emotionaler Dichte lässt sich Kathryn Stockket auf ihre Figuren ein, gibt, auch aus eigener Erfahrung als „Südstaatenkind“, Atmosphären, Handlungsweisen und die tiefe Angst ihrer schwarzen Protagonisten absolut präzise und zutreffend wieder.

 

Am Vorabend der aufbegehrenden Bürgerrechtsbewegung in Amerika erschafft sie in ihrem Roman ein stimmiges Bild der inneren Befindlichkeiten, der Prägungen und lässt den Leser intensiv nachvollziehen, dass der Wunsch nach Freiheit und Gleichberechtigung sich Bahn brechen musste. Sie zeigt  aber ebenso, wie viel Mut und Kraft es brauchte, die eigene Stimme zu finden und hören zu lassen. Zu jeder Zeit auf dieser Welt, eigentlich.

 

M.Lehmann-Pape 2011