carlsbooks 2014
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Kristian Bang Foss – Der Tod fährt Audi

 

Lapidar und nachhaltig erzählt

 

In stetem, teils fast kühlem Fluss erzählt Kristian Bang Foss seine (druchaus „fremd-inspirierte“) Geschichte im Gefolge von „zwei besten Freunden“.

 

Ein aus dem System geschlidderter Werbefachmann und ein an so vielen Dingen erkrankter und damit behinderter Mann, dass die einzelnen Krankheiten schon die Seiten füllen würden,  treffen durch die Notwendigkeit aufeinander, dass jener Werbefachmann Asger irgendwann nun doch etwas tun muss. Geld braucht.

 

Als Pflegehelfer (ohne jede Erfahrung) lässt er sich auf Waldemar ein. Bewohner eines der sozialen Brennpunkte der Stadt, gern mit einem Joint bewaffnet, nicht auf den Mund gefallen, mit einer Familie gesegnet, bei der er dann keine weiteren Feinde mehr benötigt. Wobei sein hinfälliger Körper Belastung genug schon wäre.

 

Auch die „Nachbarschaft“ kennt keine Rücksicht auf Behinderte. Als der Akku des Rollstuhls zur Unzeit sich leert, derselbe stehen gelassen werden muss, findet er sich am nächsten Tag  natürlich sauber auseinandergenommen an gleicher Stelle wieder.

Was aber ist auch zu erwarten von einer Gegend, in der bei Netto der Kampf um die Hühnchen jedes Mal rabiate Formen annimmt?

 

Eine Atmosphäre, Szenen eines Familienlebens, die Foss lapidar, trocken und fast sachlich munter erzählt. Gerade weil er solche Momente nicht verballhornt sondern den Leser, wie z.B. in einer Szene der Mutter Waldemars beim Stopfen von Zigaretten so beobachtend und ruhig zuschauen lässt, erhalten die Vielen solcher Szenen ihre ganz eigene Eindringlichkeit.

 

Eine Form von Desillusionierung und Hoffnungslosigkeit, was diesen Teil der Welt angeht, der tatsächlich keiner weiteren langen Interpretation mehr bedarf.

 

Wie bei „zwei beste Freunde“, finden sich somit zwei sehr verschiedene Menschen zusammen, mit dem größeren Lerneffekt für den eher trägen und phlegmatischen Asger.

Der irgendwann bereit ist, aus der „Buddy-Geschichte“ in ein „Road Movie“ überzugehen.

 

„Torbie el Mekki“ heißt der Mann. Wunderheiler in Marokko. Der könnte helfen, behauptet Waldemar und setzt alles daran, den Heiler aufsuchen zu können. Mit Asger und einem altersschwachen VW-Transporter. Eine Reise nicht ganz ins Blaue somit, aber doch voller Umwege, einem Aufenthalt in einer alternativen Hofgemeinschaft in Frankreich, die fast noch schlimmer sich darstellt, als der gesammelte soziale Brennpunkt in der Heimat, eine Reise durch die Wüste hin zu einer Flasche „gesegnetem Wasser“.

 

Bei all dem ahnt der Leser düster, dass Waldemar nicht dumm ist und ebenso wenig leichtgläubig und die Reise vielleicht doch auch ein ganz anderes Motiv hat, als die Hoffnung auf eine Wunderheilung. Dennoch ist der Umgang mit dem „heiligen Wasser“ eine dann doch überraschende und sehr starke Szene im Buch.

 

Wie auch die Auflösung dieses hier und da auftauchenden schwarzen Audi, der den beiden zu folgen scheint, dessen Fahrer aber nicht greifbar wird.

 

Ein wenig mehr an „Umwegen“ hätte der Geschichte im Übrigen noch eine Prise mehr „Fleisch“ gegeben, hier und da geht Foss fast zu schnell, zu „wie nebenbei““ erzählt vor, gerade, was die Begegnung mit 2dem Heiler“ angeht. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

 

 

In ganz eigener Sprache, die Dinge sich selber erläutern lassen statt alles zu interpretieren bietet Foss dem Leser, sicher auf Basis bereits breit bekannter Motive, doch eine ganz eigene Interpretation von beginnender Freundschaft und einem desillusioniertem Blick auf das Leben.

 

M.Lehmann-Pape 2014