Goldmann 2016
Goldmann 2016

Laurent Gounelle – Der Tag, an dem ich lernte zu leben

 

Philosophische Reflexion und Entwicklungsroman in einem

 

„Es passiert nicht jeden Tag, dass einem der Tod angekündigt wird“.

 

Und auch wenn es eigentlich eher im Vorbeigehen war, wenn nicht die Diagnose eines Arztes, sondern die Kunst einer Wahrsagerin diese wahrhaft üble Botschaft für Jonathan in den Raum stellt. Und wenn eigentlich auch klar ist, dass das nicht unbedingt die unabdingbare Wahrheit sein muss, die Art, wie ihm das gesagt wurde und die Eindringlichkeit, die er selbst in sich spürt, lässt ihn umgehen innehalten.


Was an sich bereits ganz gut ist, denn obwohl sich Jonathan bemüht, sein Leben nach amerikanischer Weise dem Streben nach Erfolg zuzuordnen und sich darin von den privaten Turbulenzen der letzten Zeit nicht irritieren lassen will, er merkt ja durchaus, dass da einiges nicht stimmig ist.

 

An der eigenen Firma. An seiner Arbeit, bei der ihm einer seiner Partner immer eine Nasenlänge voraus zu sein scheint und dessen Mühelosigkeit beim Abschluss Jonathan mehr mitnimmt, als er es sich zunächst zugestehen will.

 

Dass der dritte Teil der Partnerschaft von einer ehemaligen Lebensgefährtin, mit der er eine Tochter hat, eingenommen wird, kommt erschwerend hinzu. Denn freiwillig hat sich Jonathan nun wahrlich nicht getrennt.

 

Viele Dinge kommen zusammen, die ihn die Flucht ergreifen lassen. Heraus und weg aus diesem Alltag, hin zu seiner alten Tante, die doch genügend Lebensweisheit besitzen müsste, um ihm bei der Neuordnung seiner Dinge zu helfen.

 

Und tatsächlich, nach den einleitenden Ereignissen im Roman und der Vorstellung der wichtigen Personen (samt eines zunächst merkwürdig anmutenden „Beobachters“ anderer Menschen) leitet Gounelle dann relativ rasch hinein in einen Abgleich philosophischer Betrachtungen.

 

Wobei weniger ein Diskurs zwischen Jonathan und seiner Tange Margie zustande kommt, sondern in der Abgeschiedenheit des Hauses von Margie diese Jonathan sehr direkt und sicher im Auftreten die Welt erklärt.

 

Und damit auch Gounelle bei „seinem“ Thema angelangt ist, das den Leser eine ganze Weile im Roman beschäftigen wird, ehe wieder Bewegung in die äußeren Abläufe, die Hintergründigkeit von geschäftlichen Partnerschaften und die Prophezeiung des Todes kommen wird.

 

Ein philosophischer Teil, der sich den Fragen des Lebens „von außen“ (nicht wirklich hilfreich) und „von innen“ (das eigentliche Ziel des Lebens“ zuwendet, in dem die Normen der Zeit hinterfragt werden und erläutert wird, wie das eigene Leben „angemessen“ gelebt werden kann und sollte.

 

Ein wenig belehrend wirkt das schon, vor allem, da Gounelle Jonathan hier nur als braven, gelehrigen „Empfänger“ der philosophischen Weisheiten seiner Tante darstellt. Dennoch ist der Roman in diesem Teil wie auch in Gänze anregend zu lesen, sprachlich treffend und flüssig formuliert und wendet sich einerseits in plastischer, ereignisreicher Form und andererseits auch in der Reflexion dessen, was unter Glück verstanden werden kann und wie man diesem Nahe kommt (ebenso, was einem von diesem vielfach auch fernhält).

 

Die Geschichte der Ehemänner Margies bietet hier exemplarischen und leicht erzählten Stoff für jene verschiedenen Grundhaltungen (und deren Aussicht auf Erfolg), die gängig vor Augen liegen.

 

Wie dann im Nachgang alles mit allem zusammengehört und dass dem Ganzen ein ausgeklügelter Plan als „Hilfe zur Selbsthilfe“ zugrunde liegt, das gilt es dann im Finale der Ereignisse zu entdecken.

 

 

Eine empfehlenswerte, wenn auch teils etwas trockene, Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2016