Ullstein 2013
Ullstein 2013

Leo Königstein – Ich, mein Vater und die Frau seines Lebens

 

Mit Höhen und Tiefen

 

Einen letztlich sehr gemischten Eindruck hinterlässt dieser komödiantische neue Roman von Leo Königstein.

 

Die Grundidee eines ängstlichen Mannes, der in seinem Beruf als Versicherungsgutachter durch sein gutes Herz einfach eklatant anecken muss, der mit seinem elfjährigen Sohn im Privaten eine enge Beziehung pflegt, auch aufgrund seiner natürlichen inneren Vorsicht (manche würden es Feigheit nennen) auch in der Erziehung lieber vermeidet, statt drauflos zu gehen (natürlich auch, was Frauen angeht), klingt zunächst zwar bekannt, durchaus aber vielversprechend.

 

Tritt dann noch hinzu, dass Königstein die Welt der „Casting-Shows“ mit auf die Schippe zu nehmen gedenkt und just jener Tom von Paul, seinem Sohn, motiviert und „fit gemacht“ wird für das neue Sensationsevent: „Deutschland sucht die mutigsten Menschen“, dann ist, in Verbindung mit der unvermeidlichen „wunderbarsten Frau “ der Weg durchaus bereitet für eine vielleicht leichte, aber humorvolle und romantische Komödie.

 

Was Königstein nicht in allen Sequenzen zu nutzen weiß.

 

Gar zu tumb stellt er seinen Tom dar. Einer, der als Mutprobe sich den „Köpper“ vom Dreier mit vornimmt und in solch übertriebener Weise ständig herunterplatscht, dass es dem Leser kaum mehr ein Lächeln zu entlocken vermag.

 

Das zudem der Autor auf altbackenen und altergebrachten Vorurteilen gegen vor allem Köln in dumpfer Form herumreitet (was die sexuelle Ausrichtung eines Teiles der Kölner Bevölkerung angeht, was Sprache, Mentalität und Liedgut angeht), das ist manches Mal einfach nur platt. Wie auch andere witzig gemeinte, coole Sprüche ihr Ziel einer Auflockerung der Sprache eher verfehlen. Wer sich weit aus dem Fenster lehnt und deutsche Comedians und Humoristen pauschal im Buch abwatscht, sollte da schon mehr an eigener Qualität bieten.

 

Warum Königstein zudem unkreativ Namen verballhornt (Jan DeeJay, Stefan Saab, Pro6 (statt Pro7), Eva German (statt Eva Herrmann) u.v.a., das wird nur er wissen, denn andererseits sind Politiker oder „Spiegel“ und „Bild“ real und korrekt benannt.

 

Andererseits entfaltete Königstein mit dem „Mutmän“ als konsequent persifliertem Kölner „Asi“, der mit allen Kräften und bar jeder Peinlichkeit Stimmung für sich als „mutigster Mann Deutschlands“ macht (mit Youtube, Bild-Zeitung, Frauentatschen, abwegigen Mutproben und rechtsrheinische Kölner aufmischen) ein treffendes Bild mancher Casting-Helden und Sender Anforderungen an Dumpfheit ihrer Kandidaten, die den Kern ziemlich trifft und Spaß macht.

 

Vor allem aber ist spürbar, mit wie viel Freude Königstein seinen Paul anlegt. Als einerseits nassforschen, andererseits mutigen und optimistischen, aber auch klugen und sensiblen Jungen. Das wirkt, wie aus dem Leben gegriffen und wird dem Roman zum Ende hin noch überraschende Wendungen, leider aber auch ein sehr vorhersehbares Finale bescheren.

 

Alles in allem teils komische, teils zu platte Unterhaltung, in der Königstein manchmal zuviel will (von der Bankenkrise über die Frage der sexuellen Orientierung bei Profi-Fußballern taucht so ziemlich alles außer Kriegen an aktuellen Themen auf), manches mal zu simpel und dumpf mit Vorurteilen spielt, an andere Stellen aber auch für anregende und interessante Unterhaltung sorgt, die den Leser durchaus vor die Frage stellen, was eigentlich Mut ist und wofür es sich lohnt, Anerkennung zu suchen.

 

M.Lehmann-Pape 2013