C.Bertelesmann 2011
C.Bertelesmann 2011

Lesley Downer – Die Kurtisane

 

Liebe, Leidenschaft und Kampf im alten Japan

 

1868, im Zuge des westlichen Drängens nach einer wirtschaftlichen Öffnung Japans und darauf folgender innerer Spannungen in Japan selbst geriet die bis dahin herrschende Form des „Shogunats“ stark unter Druck. Mitsamt der Kaste der Samurai musste der letzte Shogun Tokio (Edu) aufgeben, wobei die Reste seiner ihm treuen Truppen versuchten, sich im Norden Japans neu zu formieren (Wikipedia u.a.).

 

Diesen Konflikt nutzt Lesley Downer (bedauerlicherweise bietet sie im Buch selbst zu wenige historische Fakten und so tappt der japanunkundige Leser zunächst lange im Dunkeln, worum es beim Konflikt in und um Tokio überhaupt geht) als Rahmung für ihre Geschichte einer Frau und eines Mannes, die in dieser Zeit ihren Weg, teilweise das reine Überleben suchen.

 

Hana ist Frau eines Samurai und wird von diesem in Tokio zurückgelassen, als er dem Shogun folgt. Nach und nach verlassen viele Menschen mehr die große Stadt, bis Hana mit zwei Bediensteten allein im Haus zurückbleibt und bald darauf ebenfalls fliehen muss. Mit knapper Not und nichts als dem, was sie auf dem Leib trägt, irrt sie durch die Straßen Tokios und gelangt nach Yoshiwara, dem umtriebigen Vergnügungsviertel vor den Toren Tokios. Dort wird sie, ungewohnt roh behandelt, in einem Kurtisanenhaus aufgenommen und zur Kurtisane ausgebildet. Aufgrund ihrer Schönheit, aber auch ihres Charismas, ist die gesellschaftlich ehemals hochstehende Ehefrau eines Samurais bald heißbegehrt.

 

Zur gleichen Zeit folgt der junge Krieger Yozo seiner Treue zur alten Gesellschaftsordnung und ist Teil jener Rebellen, die zunächst durchaus erfolgreich im Norden Japans Fuß fassen und die Reste der japanischen Flotte in ihre Gewalt gebracht haben. Doch das „Alte“ vermag gegen „das Neue“ nicht zu bestehen, die letzten Truppen des Shogun werden von den südlichen Truppen vernichtend geschlagen. Auch Yozo ist nun auf der Flucht und hat alle Hände voll zu tun, um sich durchzuschlagen.

Beide werden sich begegnen (das ist eigentlich schon von Beginn des Buches an klar). Aber was daraus wird und was beide voreinander verheimlichen, das braucht dann doch noch eine gute Weile, bis das klar werden wird.

 

Lesley Downer pflegt einen klaren und flüssigen Stil, dem der Leser gut zu folgen vermag. Hier und da geraten die Hintergründe und die Charaktere ein wenig zu oberflächlich, unterhaltsam und teilweise spannend bleibt die Geschichte dennoch. Was im Besonderen das Buch über die Masse an Unterhaltungsliteratur hinaushebt ist die profunde Kenntnis Japans der Autorin. Mittels dieser gelingt Downer sehr gut die Beschreibung der Atmosphäre im „alten Japan“ der Shogunzeit, gibt einen Einblick in die damals im Niedergang befindliche Kaste der Samurai und vermittelt das Kurtisanenwesen durchaus eindrucksvoll. Auch vor einer offenen Sprache im sexuellen Bereich  und in der Schilderung der Gewalt der Kämpfe scheut Downer nicht zurück.

 

„Die Kurtisane“ schildert ein längest vergangenes Japan, die pralle Atmosphäre der Welt der Kurtisanen und des Niedergangs der Samurai, das allmähliche Eindringen westlicher Mächte in das lange Zeit verschlossene Japan und verbindet dies mit einer durchaus unterhaltsamen Geschichte zweier Menschen, die zueinander finden in bedrängenden Zeiten. Durchaus lesenwert.

 

M.Lehmann-Pape 2011