Blanvalet 2011

Lynda Simmons – Rosie kann´s nicht lassen

 

Geisterstunde

 

Einen etwas unentschiedenen Eindruck hinterlässt das Buch von Lynda Simmons.

 

Obwohl hier und da ein fast Screwball erinnernder Humor durchblitzt (wunderbar pointiert und schlagfertig in der ersten „Gesprächsrunde“ im PUB unter Einbeziehung aller Mitarbeiter und der gravierend eingreifenden Großmutter) ist das Buch bei weitem nicht humoristisch konzipiert (obwohl die Ausgangssituation der Geschichte durchaus als Komödie hätte entwickelt werden können und man bei gerade den wunderbar gestalteten Stellen voller Situationskomik und trockener Ironie sich mehr von solchem im Buch gewünscht hätte).

 

Obwohl einige der Figuren wunderbar gezeichnet sind, allen voran die Hauptfigur Samantha, ihre „Nebenbuhlerin“ Rosie und Samanthas Köchin Eva, sowie Michaels Tochter Julie, finden sicher daneben eher schwache Figuren mit teilweise hohem Nervfaktor. Loretta, die Großmutter, ist in Teilen völlig überzeichnet und eher als nervig denn als verschroben auflockernd anzusehen, zudem mit einer völlig unrealistischer, „dicker Haut“ versehen. Michael, der verflossene und nun wieder greifbare Ex-Verlobte, bleibt fast das gesamte Buch über blass. Derek, eine der verdeckten Hauptfiguren des Buches, spielt das Potential der Figur nicht differenziert genug aus und verbleibt so als reiner „Gutmensch“ zwischen den Zeilen.

 

In der Grundidee und der logischen Struktur allerdings setzt Lydia Simmons eine interessante und unterhaltsame Lektüre in den Raum.

„Vergiss niemals, Marcello, dass Michael mir gehört. Und ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, um Dich von meiner Familie fernzuhalten“.

Klar und eindeutig stellt Rosie ihre Haltung in den Raum. Mit dem Problem, dass Rosie, die Michael vor ihrer besten Freundin Samantha Marcello ausgespannt hat und deren Verlobung damit zunichte machte, seit 2 Jahren tot ist. Ein Autounfall hat ihr Leben beendet. Nicht aber ihre Anwesenheit und ihre bitterböse, besitzergreifende Haltung. Nur Samantha kann den Geist Rosies sehen und mit ihr sprechen. Sehr zu Samanthas Bedauern, denn nicht mit gleichen Waffen kämpfen nun beide Frauen um den Witwer Michael und seine Tochter. Währenddessen Samantha zudem noch ihren Lebenstraum hart zu erarbeiten hat. Ihr Leben als Finanzfachfrau hat sie aufgegeben und in New York einen PUB eröffnet, der gerade beginnt, bekannt zu werden und sich zu füllen. Wenn da nicht Großmutter Loretta, die Konkurrenz von gegenüber und Rosi kräftig zwischen funken würden.

 

Gut, dass Samantha auf ihre Verbündeten zählen kann. Derek, Michaels Bruder, der für seinen Bruder wieder Glück in den Raum bringen will. Eva, die große, massive und glatzköpfige Köchin und Johnny, der verhinderte Schauspieler und Kellner, der alles daran setzt, Eva zu einem ersten Date zu überreden.

 

Verwirrungen und Verwicklungen, Intrigen, vermeintliche Liebe und Enttäuschungen und dann, zum Ende des Buches hin, eine überraschende Wendung und ein zueinander finden, dass so kaum am Anfang der Geschichte hätte vermutet werden können. Und hier und das anrührende Szenen alter Vertrautheit zwischen den ehemals besten Freundinnen Samantha und Rosie. Kurze Momente des Waffenstillstandes und ein Ahnen dessen, was beide Frauen im Leben miteinander verbunden hat bevor es wegen Michael zum Bruch kam.

 

Flüssig und anregend im Stil mit teils treffender Situationskomik versehen, legt Lydia Simmons im Kern doch eine ernste Geschichte über falsche Freundschaften und die Suche nach sich selbst, über das Festklammern zum falschen Zeitpunkt und die Angst vor Verlust vor, die nicht in allen Bereichen den rechten Ton trifft und nicht in allen Figuren überzeugen kann. Durchaus aber gut zu lesen, mit einer interessanten Ausgangssituation  und als Geschichte mit Hand und Fuß versehen.

 

M.Lehmann-Pape 2011