Ullstein List 2014
Ullstein List 2014

Magali Robathan – Die Frau von Shearwater Island

 

Verrat und Entwicklung

 

Ein umgrenzter Raum mit einer überschaubaren Anzahl von Protagonisten, eine Sehnsucht noch Komplettierung des eigenen Lebens (ohne mit diesem Leben unzufrieden zu sein), eine attraktive, auf der abseits gelegenen Insel lebende Frau, ein attraktiver Mann mit dem „Geruch der großen, weiten Welt“ und einer gewissen Prominenz.

 

Dazu ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit der Frau, Alice. Und ein unschöner Charakterzug an diesem Mann, Patrick Fox, der allerdings erst im Lauf der Zeit, dann aber ernüchternd, zum Vorschein kommen wird und Alice einerseits in eine Zwickmühle versetzt und andererseits vor eine grundsätzliche Entscheidung stellen wird.

 

„Jeder Muskel an ihrem Körper war angespannt. Sie bewegte sich wie eine Marionette hoch aufgerichtet und steif auf die Tür zu“.

 

Aber was nun? Die Wahrheit offen legen? Die Waffen strecken? Träume beerdigen?

 

Elemente und Versatzstücke, die allesamt nicht neu erfunden das Gerüst dieses Romans bilden, die Robathan allerdings durchaus überzeugend in diese ganz besonderes und miteinander vertraute Atmosphäre des Lebens auf der Insel zu verknüpfen versteht.

 

Dieses innere „einander ausgeliefert sein“, dem durchaus das „auf sich geworfen sein“ je nach Wetterlage (im Sturm auf jeden Fall) im äußeren Leben korrespondiert.

 

Allerdings, all dies an innerer Annäherung, Darstellung vertrauter Beziehungen, verdeckte Aggressionen, Freundschaft und Spannungen, Hüten eines dunklen Geheimnisses, das zieht sich schon teils auch sehr langwierig und langatmig durch das Buch.

 

Wie es ebenso nicht recht erklärbar ist, dass eine gestandene Frau (und diese ist Alice ja in ihrem Leben) viele Zeichen nicht erkennt, fast naiv „auf den Leim“ geht und doch allzu sehr eine innere Sehnsucht dem vernünftigen Abwägen vorzieht.

 

Das passt nicht wirklich stimmig zusammen und, zudem, die „dunklen Dinge“ sind so dramatisch und vernichtend eigentlich nicht.

 

Auf der anderen Seite fängt Robathan die Beziehungen innerhalb dieser engen Gemeinschaft gut ein, zeigt die verschiedenen Dynamiken und den Unterscheid zwischen Fassade und teils auch innerer Gereiztheit treffend auf.

 

Wenn so auch die dramatischen Elemente wenig überraschen und emotional nicht unbedingt aufwühlen, so versteht es Robathan mit ihrem sehr flüssigen Stil doch, die Geschichte unterhaltsam (wenn auch mit einigen Brüchen in den Personen) voranzubringen.

 

 

So ergibt sich eine emotional nicht unbedingt mitreißende, aber im Gesamten kurzweilige Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2014