Blanvalet 2015
Blanvalet 2015

Marc Levy – Mit jedem neuen Tag

 

Spannendes Verwirrspiel

 

„An einem Montag im Juli um 7.15 Uhr verlosch das Licht. Und Andrew Stilman verstand, dass er im Begriff war, zu sterben“.

 

Dacht er zumindest. Aber etwas ist anders. Stilman atmet. Spürt sich. Geht nach Hause zu seiner Verlobten, der Jugendliebe, die er durch Zufall wiedergetroffen hat und bei der denkt, diese niemals wieder loslassen zu wollen.

 

Und dann „… dachte Andrew über das Unvorstellbare nach und begriff, dass er zweiundsechzig Tage Zeit hatte, um herauszufinden, wer ihn umgebracht hatte und warum.

 

Eine Zeitreise, ein Loch im Raum-Zeit Gefüge, Andrew ist es fast egal, Hauptsache, er erhält diese Chance, Fehler zu beheben und vor allem seiner Verlobten gegenüber nun alles richtig zu machen. Natürlich auch, herauszufinden (und bestenfalls zu verhindern), wer ihm da ans Fell will.

 

Ein nicht leichtes Unterfangen, bedenkt man, dass Andrew überhaupt keine Anhaltspunkte hat.

 

Als Journalist, gut, die eine, große Reportage über China und, direkt danach, dieses Wühlen im Sumpf der politischen Verfolgung in Argentinien. Aber das eine hat für wenig Aufschrei gesorgt und bei der argentinischen Sache hat er Recherchen zu Ereignissen angestellt, die weit in der Vergangenheit liegen.

 

Was also könnte passiert sein? Wer hat etwas gegen ihn? Oder ist seine Verlobte ein verkappter Psychopath (ganz astrein hat sich Andrew nun wirklich nicht verhalten am Tag der Hochzeit).

 

Fragen über Fragen, die Marc Levy in bildreicher, munterer, flüssiger und wie ein Sog zu lesender Sprache Seite für Seite erzählt. Und den Leser, lange, lange Zeit genauso im Unklaren lässt, wie Marc.

 

Liegt die Lösung nah oder fern? Hat es mit seinem privaten Leben in New York oder mit seiner Arbeit als Journalist zu tun? Wer ist Freund und wer ist Feind, wo doch Feinde scheinbar auf weiter Flur nicht zu erkennen sind.

 

Es wird dauern, bis Andrew erkennt, in welch ungutem Geflecht er sich verstrickt hat und wie die Dinge zusammenhängen.

 

Dauern und in einem Finale einer (hier und da geahnten) sehr unverhofften Wendung mit großer Überraschung enden.

 

Flüssig, spannend, mit erkennbar profiliert gestalteten Charakteren und einer Aufarbeitung von historischen Ereignissen, die den Leser ohne große Mühe mitten hinein in die Lektüre führen und dort durchweg auch zu halten verstehen.


M.Lehmann-Pape 2015