Scherz 2013
Scherz 2013

Mark Lowery – Das peinlichste Jahr meines Lebens

 

Wenn alles daneben geht

 

Ein Jugendbuch ist es, das Mark Lowery vorlegt. Mit besonderen Erlebnissen, die vor allem um das Eine kreisen, was pubertierende Jugendliche zutiefst fürchten: Ein ständiger Rutsch hinein in Fettnäpfchen und Peinlichkeiten. Entblößend, das vor allem, und zudem hoch ungerecht, denn eigentlich kann Mark Swarbrick gar nichts dafür.

 

Was kann er dafür, dass seine Eltern sich als „Nudisten“ outen und seine Mutter sich endlich frei fühlt. So frei, dass sie gerne auch nackt im Supermarkt einkaufen würde (wobei Michaels Vater wohl eher aus ehelicher Pflicht mit hinein gezwungen wird). Wie schrecklich für Michael, selber „all das „hautnah sehen zu müssen“ und zu erleben, dass selbst seine morgendliche Schüssel Frühstück nicht vom Busen der Mutter verschont wird. Wer will seine Eltern schon so erleben? Kein Wunder, dass Michael darüber nicht spricht und alles dafür tut, Fremde nicht mehr ins Haus zu lassen.

 

Was kann er dafür, das sein engster Freund Paul Beary sich beim Schwimmunterricht auf den Boden des Beckens legt, um Mädchen zu betrachten und Michael direkt mit unter Verdacht gerät?  Auch die Sache bei der Mädchenumkleide, da wollte er nur aus Loyalität helfen!

 

Was kann er dafür, dass sein Bruder mit dem Mädchen verbändelt ist, für dass er selber heimlich schwärmt, er sogar Wache steht, als der Bruder „Fensterlt“, natürlich erwischt wird und vom eigenen Bruder noch angeschwärzt wird. Als Spanner eben.

 

Da ist sein Ruf, sein ganzes Leben mittlerweile fast ruiniert und dann wird er auch noch zu Gesprächen mit einem sehr flotten, berufsjugendlichen Therapeuten (knapp 50, wie ein Surfer gekleidet und mit einem „Yo Mann, was läuft?“ die Sitzungen beginnend) genötigt.

 

Und doch atmet Michael ganz ruhig durch, badet die Peinlichkeiten aus und lässt sein Ziel, Lucy King endlich näher zu kommen (auf un-peinliche Art natürlich) nicht aus den Augen.

 

Durchaus mit Ironie und voller Humor führt Mark Lowery den jugendlichen Leser mitten hinein in die peinlichen Gefühle, die dieses Alter mit sich bringt und stellt das Lachen in den Vordergrund, obwohl er nicht versäumt, die Emotionen eines „im Boden versinken wollen“ wach zu rufen. Und führt den erwachsenen Leser zurück in diese Zeit des eigenen Lebens, um aber auch den erwachsenen Blick der schnellen Urteile ein stückweit zu relativieren.

 

Manchmal schießt er dabei allerdings über das Ziel hinaus. Die Figur des Therapeuten, im Buch ein Symbol des „Erwachsenwerdens Erwachsener“, ist in solcher Art überzogen im zur Schau gestellten Jugendwahn, dass diese Person einfach nur lächerlich wirkt und die „Verwandlung“  kaum ernsthaft wahrgenommen wird.

Dies ist allerdings der einzig schwächere Punkt dieser ansonsten treffenden und humorvoll erzählten Geschichte.

 

Alles in allem eine anregende, witzige und, was Peinlichkeiten angeht, auch erleichternde Lektüre, die locker vor sich hin fließt.

 

M.Lehmann-Pape 2013