Styria 2014
Styria 2014

Marko Rostek – 33 Tage

 

Minutiöse Hinführung zum „Warum“ des ersten Weltkrieges

 

War es nicht die Zeit von Völkerverständigung und Friedenswunsch, nicht nur auf Seiten des „einfachen Volkes“? War es nicht die Zeit, in der die Diplomatie als Kunst angesehen wurde? Von einem vereinigten Europa geträumt wurde (wie das Werk Stefan Zweigs und vieler anderer jener Zeit aufzeigt).

 

Auch.

 

Aber es war eben auch die Zeit der Ressentiments, der wirtschaftlichen Interessen, des stark aufkommenden Antisemitismus, des ständigen Säbelrasselns zwischen den Erzfeinden Deutschland und Frankreich, der angespannten Lage an vielen (noch) ruhigen Fronten.

 

Vielen gilt der 28. Juni 1941 als Beginn des ersten Weltkrieges, das Attentat auf Franz Ferdinand und seine Frau. Bis zum Ausbruch kriegerischer Handlungen aber vergingen noch 33 Tage. Voller Säbelrasseln, Hinterzimmer-Diplomatie, Rettungsversuchen, Vorbereitungen und was noch alles teil ganz offen vor aller Augen und teils im Geheimen ablief.

 

In Form eines Romans hat Mark Rostek diese vielfachen, verwinkelten, teils auch gegeneinander stehenden Strömungen aufgenommen und erzählt aus den Perspektiven der Hauptbeteiligten aller Seiten die äußere, vor allem aber innere Geschichte dieser 33 Tage.

 

Sei es der österreichische Botschafter in St. Petersburg, an sich bereits ein Verfechter der „harten Gangart“ (vor allem gegen Serbien), der aufgrund reinen Informationsmangels nicht „beruhigend“ in Russland eingreifen konnte. Ander4s als sein Pendant auf deutscher Seite, Friedrich Pourtales als unbedingter, aber letztlich ohnmächtiger Verfechter einer friedlichen Lösung.

 

Bei allen vordergründigen Vergeltungsreden, im Roman nimmt der Leser intensiv Teil auch daran, dass Serbien für so manche nur ein willkommenes Objekt ganz anderer Interessen war.

 

Wieweit mag es stimmen, dass Kaiser Franz Joseph nicht müde wurde, seine friedliebenden Ideale zu betonen?

 

„Es war mein sehnlicher Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen ….. im Rate der Vorsehung war es anders beschlossen“.

 

Eher wohl „im Rate mancher Generäle und Diplomaten“, wie auf der Basis seiner immensen Fleißarbeit der Recherche Rostek in Roman-Form vor Augen führt.

 

Es dauert sicherlich seine Zeit, bis der Leser sich in all den Personen und Perspektiven zurechtgefunden hat, aber die klare Sprache Rosteks und sein Beharren auf den einzelnen roten Fäden, Motiven und Verbindungen im Roman führen nach dieser ersten Orientierungsphase doch schnell mitten hinein in dieses „sehenden Auges“ (und in Teilen gewollt) in den Krieg zu gehen. Mit allem an grausamen Folgen, was danach Geschichte wurde und ist.

 

 

Ein sehr gründlich recherchierter, in den Fakten sehr fundierter und im Stil gut zu lesender Roman über die äußeren und inneren Abläufe jener 33 Tage zwischen Attentat und offiziellem Kriegsbeginn.

 

M.Lehmann-Pape 2014